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Kostenexplosion bei Rettungswageneinsätzen

5,2 Millionen mal werden sie pro Jahr angefordert – Die Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes. Die Kosten für den Einsatz haben sich dabei in den letzten acht Jahren nahezu verdoppelt. 2016 mussten die Krankenkassen insgesamt rund 2,1 Milliarden Euro zur Finanzierung aufbringen wie die „Welt am Sonntag“ berichtete.

Notrufe bei Bagatellen Kostentreiber?

Politiker sehen die Ursache für die hohen Kosten in einem gestiegenen Anspruchs­denken der Patienten. Häufig würde über die Notrufnummer Hilfe herbeigerufen, selbst wenn keine lebensbedrohliche Situation (Video mit Beispiel, 2:43 min) vorliege und kein Notarzt nötig wäre.

Neben der anspruchsvollen Haltung der Patienten sehen die Krankenkassen (Liste) ein weiteres Konstrukt als Ursache für die Kostenexplosion beim Einsatz der Rettungsfahrzeuge selbst: Problematisch sei dabei aus Kassensicht, dass die Kommunen für die Organisation der Rettungsdienste verantwortlich sind. Sie steuern den Einsatz über eigene Berufsfeuerwehren oder beauftragen Hilfsorganisationen. Die Kommunen sind es auch, die die Preise für die Einsätze festlegen. Die Rechnung tragen müssen jedoch die Krankenkassen. Während die Kassen keinen Einfluss auf den Umfang der Einsatzfahrten haben, fehlt den Kommunen schlicht der Anreiz, die Zahl der Rettungsfahrten zu begrenzen.

Politik in der Handlungspflicht

Wie die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU im Bundestag ankündigte, sei eine Neustrukturierung der Notfallversorgung (PDF) dringend erforderlich. Noch in dieser Legislaturperiode soll über Strukturen, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht so gut funktionieren, debattiert werden.

Derzeit gibt es konkrete Pläne, die Notrufnummer 112 mit der Rufnummer für den ärztlichen Notdienst zusammenzulegen. Die Telefonnummer 116 117 für den Bereitschaftsdienst von Ärzten außerhalb der regulären Öffnungszeiten sei den meisten Verbrauchern nicht bekannt, so die Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sabine Dittmar.

Eine weitere Möglichkeit der Entlastung wäre auch die Einrichtung einer Handy-App, wie es aus den Reihen der Grünen vorgeschlagen wurde. Mit der App sollen Patienten und Hilfesuchende rund um die Uhr die verfügbaren Hilfsangebote angezeigt bekommen.

Auch Abrechnungsbetrug zunehmend Kostenfaktor

Nach ersten Informationen wird derzeit bundesweit gegen private und gemeinnützige Anbieter von Rettungsfahrten ermittelt. Die Staatsanwaltschaften prüfen, inwieweit den Krankenkassen Leistungen bei Rettungseinsätzen zur Abrechnung vorgelegt wurden, die so nicht erbracht wurden.
Fälle, in denen Kosten geltend gemacht werden, die gar nicht angefallen sind, sorgen für eine deutliche Verteuerung im Rettungswesen. Auch bei Krankenfahrten, wie zum Beispiel für Gehbehinderte oder Pflegebedürftige zieht der Abrechnungsbetrug weite Kreise. Die Krankenkassen beklagen auch in diesem Sektor eine erhebliche Steigerung der Kosten.

Rettungswagen im Einsatz für Kinder

Während Erwachsene häufig den Notarzt rufen,  um sich den Weg zum ärztlichen Bereitschaftsdienst zu sparen, sollte man bei Kindern nicht zögerlich sein und in Gefahrensituationen lieber die Nummer des Notrufs wählen. Gerade bei den Kleinen kann es schnell zu Traumata kommen: Wenn sie verletzt oder erkrankt sind, kann das zu Verunsicherungen führen und in der Folge schwerwiegende Auswirkungen auf die kleine Seele haben. Was anfänglich eine psychische Belastung ist, kann sich im schlimmsten Fall zu einem späteren Zeitpunkt psychosomatisch äußern. Die Deutsche Traumastiftung widmet sich daher traumatischen Erlebnissen in dem Projekt „Kinder – Leben – Retten – Schützen” und fördert die präventive Arbeit im Umgang mit Traumata. Da Kinder überwiegend im Straßenverkehr verunglücken, liegt der Fokus der Stiftung auf diesem Bereich. Aber auch im Haushalt lauern zahlreiche Gefahren.  Hier sollen Eltern und Kinder sensibilisiert und gestärkt werden, auch um die Selbständigkeit des Nachwuchses zu fördern.

2018-04-19T15:51:36+00:007. März 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Versicherung|