Die Zahl der Masernfälle ist global gestiegen. Die Krankheit, die schon so gut wie ausgerottet schien, ist wieder auf dem Vormarsch. Der Grund dafür ist die Verweigerung von immer mehr Eltern, ihren Nachwuchs impfen zu lassen. Für Kinder sind die Masern in den meisten Fällen harmlos, für Erwachsene hingegen kann die Kinderkrankheit umso gefährlicher sein. Um die Masern einzudämmen und deren Ausbreitung zurückzudrängen, werden die Pläne für eine Masern-Impfpflicht in Deutschland immer klarer. Gesundheitsminister Jens Spahn will bis Anfang Mai dieses Jahres einen konkreten Vorschlag vorlegen.

Masern-Impfpflicht für Kinder soll kommen

Der Bundesgesundheitsminister und die SPD als Partner in der Großen Koalition, sprechen sich für eine Masern-Impfpflicht in Kitas und Schulen aus. Dadurch hätten praktisch alle Kinder Zugang zu einer solchen Impfung. Noch gibt es aber unter den Bundesländern keine einheitliche Haltung zu der angedachten Impfpflicht. Aus dem Grund warten die Länder noch ab, bis Spahn mit seiner Lösung aufwartet, die für alle einheitlich kommen soll. Vor allem der Vorsitzende der bayerischen CSU, Markus Söder, zeigt sich bislang skeptisch, was eine generelle Impfpflicht für Kinder betrifft. Laut der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles, ist es mittlerweile die gesamte Gesell­schaft, die unter den Folgen zu leiden hat. Sie spricht sich daher für eine Impfpflicht aus: „Die individuelle Freiheit hat ihre Grenzen dort, wo sie die Gesundheit vieler anderer gefährdet“, sagte sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Masern als globale Gesundheitsbedrohung

Von ihrem ursprünglichen Ziel, bis zum Jahr 2020 Masern und Röteln auszurotten in Europa, ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weit entfernt. Inzwischen hat sie die Weigerung der Masern-Impfung zu einer der globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt. Grund sind die weltweit stark ansteigenden Zahlen von Masernfällen. Die Kinderkrankheit grassiert nicht nur in Deutschland immer mehr, auch weitere euro­päische Länder haben immer wieder mit massiven Masernausbrüchen zu tun.

Besonders viele Erkrankte gab es 2017 in Italien. Das Land an der Adria verzeichnete damals mehr als 5.000 Maserninfizierte, betroffen waren meist Jugendliche und Erwachsene. In der Folge wurde eine schon bestehende Impfpflicht ab 2018 massiv erweitert. Immer wieder heißt es, dass vor allem Menschen, die noch nie Masern hatten oder ein geschwächtes Immunsystem haben, gefährdet seien. Im schlimmsten Fall kann die bei Kindern in der Regel mild verlaufende Infektionskrankheit bei einem Erwachsenen gravierendere Folgen haben und zum Tod führen.

Von den in Italien erkrankten Personen hatten 12 Prozent nachweislich einen Impfschutz, je zur Hälfte eine einmalige bzw. zweimalige Impfung. Selbst eine staatlich verordnete Impfung kann also nicht verhindern, dass sich auch Geimpfte mit der Infektionskrankheit anstecken.

Impfkritiker treten für individuelles Impfen ein

Während sich etliche Politiker für eine Impfpflicht aussprechen, haben immer mehr Eltern Angst, ihre Kinder impfen zu lassen. Die steigende Anzahl der Eltern, die der Nicht-Impfen-Bewegung folgen, könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich Eltern umfassender belesen. Informations-Portale wie „impf-info.de”, „Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.” und „impfkritik.de” haben ihren Anteil daran und werfen der Politik Panikmache wie bei der 2009 aufgetretenen Schweinegrippe vor. Sie alle stehen für eine unabhängige Impfaufklärung und plädieren dafür, dass Eltern eine individuelle und differenzierte Entscheidung treffen dürfen. Dazu gehört, sich die Fakten und Belege anzuschauen.

Sachliche und faktenbasierte Debatte gefordert

So weist z.B. das kritische Portal „impfkritik.de” darauf hin, dass in der Bundesrepu­blik mehr als 12 Prozent der zweifach geimpften Kinder zu den sogenannten Impf­versagern zählen – und somit, trotz der zweifachen Impfung, nach wie vor selbst erkranken bzw. als Träger den Virus weitergeben und andere anstecken können. Die Impfkritiker berufen sich dabei auf die KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts, ein Bundesinstitut. Das sei ein Beweis dafür, dass die erwünschte und geforderte Durchimpfungsrate von 95 Prozent eines Jahrgangs gar nicht erreicht werden könne.

Weiterhin weist man auf die möglichen Konsequenzen einer Masernimpfung und die Folgen einer durchgemachten Erkrankung im Kindesalter hin. Auch wenn Impf­schäden oder negative Impffolgen scheinbar selten und in Deutschland nicht gut dokumentiert sind, gibt es Nachweise aus anderen Ländern. Als gravierendste unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) bestätigt das US-amerikanische Institute of Medecine den Tod nach einer Masernimpfung. Machen Kinder hingegen eine Masernerkrankung durch, sind Entwicklungs- und Reifeschübe der Kinder nachge­wiesen. Außerdem belegen Studien, dass Kinder weniger zu Allergien neigen nach einer überstandenen Masern-Erkrankung. Politikern und auch Medizinern, die vehement für eine verpflichtende Masernimpfung eintreten, wird geraten, die Debatte weniger emotional, dafür mit mehr Sachverstand zu führen.