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Kohle stoppen. Klima schützen.

Ob Proteste gegen die Trinkwasserverschmutzung der Spree oder die Besetzung von Wäldern wie im Hambacher Forst: Lokale Widerstände erhöhen den Druck auf Berlin. Aktivisten plädieren unter dem Motto „Kohle stoppen. Klima schützen.“ für den Erhalt von Natur und Gesundheit.

Umwelt & Klimaziele bleiben unbeachtet

Seit 12.000 Jahren existiert er und gehört damit zu den ältesten Deutschlands: der Hambacher Forst, einst einer der größten Mischwälder Europas. Neben seinem einzigartigen Ökosystem beheimatet er 140 geschützte Tierarten und 350 Jahre alte Bäume. Doch in einer Tiefe von 350- 400 Metern beherbergt der ehemals größte Wald des Rheinlands auch Braunkohle. Vor Aufschluss des Tagebaus in Hambach im Jahr 1978 waren die umliegenden Gemeinden bereit, ihre Anteile an die Rheinbraun AG abzutreten, den späteren Energiekonzern RWE. Dieser hat die jährliche Erlaubnis, im Zeitraum von Oktober bis März 70 Hektar zu roden. Heute sind von den ursprünglich 6.000 Hektar noch rund 1.000 vorhanden.

Große Kritik am Vorgehen von RWE

Bereits 2012 bemängelte Attac das Vorgehen der führenden Industrienationen bei den Klimaverhandlungen. Die Nichtregierungsorganisation, die als Kritiker der Globalisierung gilt, zählt Mitglieder in 50 Ländern und setzt sich für verbesserte politische wie auch wirtschaftliche Ziele ein: bessere Lebensbedingungen, Förderung von Selbstbestimmung und Demokratie sowie dem Umweltschutz. Die führenden Industrienationen seien laut Attac nicht bereit, Verantwortung für den selbst verschuldeten Klimawechsel zu übernehmen. Nicht einmal die EU würde Interesse an einer Verschärfung der Ziele des Pariser Abkommens zeigen. Das Netzwerk rief zur Selbstinitiative auf: Wer etwas gegen die Folgen der Erderwärmung erreichen wolle, sollte nach Hambach fahren anstatt zur UN-Klimakonferenz nach Doha (Katar).  

Friedliche Protestbewegungen gegen Waldrodung

Neben Politikern und Einzelpersonen machen sich auch diverse Verbände für den Erhalt des Waldes stark. Seit mehreren Jahren ist das Aktionsbündnis Ende Gelände im Hambacher Forst aktiv und hat schon in der Vergangenheit immer wieder zu friedlichen Protesten aufgerufen. Anlässlich der im Oktober beginnenden Rodungs­saison wurde, unterstützt von Ende Gelände, am vergangenen Wochenende erneut von RWE und der Polizei gefordert, die Räumungsarbeiten einzustellen. Nach Verstreichen einer Gnadenfrist von 20 Minuten wurde unter dem Motto “Kohle stoppen. Klima schützen.” zu Aktionen des massenhaften zivilen Ungehorsams durch die Besetzung des Waldes aufgerufen. Die Blockaden im Hambacher Forst, zu denen tausende Aktivisten erwartet werden, gelten als Symbol des Widerstands gegen die sozialen, ökologischen und gesundheitlichen Folgen fossiler Energiever­sorgung. Schon in der Saison 2017 / 2018 hatte Ende Gelände es geschafft, weitere Rodungen durch RWE zu verhindern. Ohne die Forcierung der Aktivitäten durch Ende Gelände wäre der Erfolg der Braunkohle-Gegner und Naturschützer kaum möglich gewesen.

Gesundheitliche Folgen durch Braunkohle

Das Bundesland NRW ist größter Verursacher von CO2-Emissionen, weshalb Aktivisten einen sofortigen Kohleausstieg fordern. Während die amtierende schwarz-gelbe Landesregierung unter Armin Laschet (CDU) für einen kontrollierten Ausstieg ab 2045 plädiert, möchten die Grünen schon in zehn Jahren beginnen.

Rund 40 Prozent des weltweiten Stroms werden mithilfe von Kohle erzeugt. Für die bleibenden ökologischen und gesundheitlichen Schäden zahlt jedoch nicht die Industrie, sondern die Allgemeinheit. Braunkohle enthält sehr viel Kohlenstoff, welcher bei der Verbrennung in Kraftwerken CO2 freisetzt und dadurch die Erder­wärmung fördert. Neben einem schlechten Wirkungsgrad zwischen 20 und 46 Prozent stoßen Braunkohlekraftwerke 900 – 1.200g CO2/ kWh aus, das Drei- bis Vierfache eines modernen Gaskraftwerkes. Außerdem gelangen große Mengen an gesundheitsschädlichen Stoffen wie Stickoxide, Arsen und Schwefeloxid in die Luft. Besonders gefährlich sind die Feinstaubbelastungen – über die Lunge gelangen kleinste Partikel in den Blutkreislauf und verursachen nachweislich Schlaganfälle, Lungenkrebs, Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen, wie Asthma. Eines der schädlichsten Schwermetalle, das beim Abbau von Braunkohle freigesetzt wird, ist Quecksilber. Die Verbrennung der Kohle in den Kraftwerken setzt 50 Prozent aller Emmissionen dieses Schwermetalls in Deutschland frei. Besonders gravierend: Schon kleinste Mengen an Quecksilber können immense Schäden bei der geistigen Entwicklung von Kindern anrichten.

Unverständnis der Bürger trotz Rekultivierung

Von den rund 8.200 vom Braunkohleabbau beanspruchten Hektar Land, die zur Umsiedlung von über 2.500 Menschen sowie historischer Dörfer führte, wurden 3.000 Hektar bereits rekultiviert bzw. forstwirtschaftlich wieder nutzbar gemacht. Während auf der künstlich aufgeschütteten Sophienhöhe über 10 Millionen Bäume gepflanzt wurden, erfolgten auf weiteren 1.500 Quadratmetern ökologische Ausgleichsmaßnahmen aus Gründen des Artenschutzes.

Trotz all dieser Vorkehrungen zur Rekultivierung bleibt dem Durchschnittsbürger unverständlich, warum der Forst abgeholzt werden soll, wenn zeitgleich eine Kohlekommision in Berlin über den Ausstieg aus dieser umwelt- und gesundheitsschädlichen Form der Energiegewinnung beratschlagt. (jl)

2018-09-20T12:03:57+00:0018. September 2018|Gesundheit, Lokal, Politik|