Klinische Forschung an Demenzkranken: Bundestag weitet Möglichkeiten aus

Künftig dürfen Mediziner auch Demenzkranke in Studien aufnehmen, die davon selbst keinen konkreten Nutzen haben. Dies beschloss der Bundestag nach lebhafter Debatte. Bisher durfte eine Forschung nur erfolgen, wenn Patienten entweder die Chance auf eine erfolgreiche neuartige Therapie oder auf eine besonders intensive Behandlung hatten.

Studienteilnahme: Die künftigen Regelungen

Die alte Regelung des Arzneimittelrechts (siehe PDF) schränkte Medikamentenstudien mit Demenzkranken stark ein. Ein persönlicher Nutzen für die Teilnehmer lässt sich bei diesen Studien kaum erzielen. Zudem mangelt es Alzheimerpatienten vielfach an der Fähigkeit, einer Studie im Vollbesitz ihrer geistigen Kraft zuzustimmen. Die Reform löst scheinbar beide Probleme. Ab sofort müssen Patienten nicht mehr direkt von der Forschung profitieren, es genügt ein möglicher Vorteil für die Allgemeinheit. Die Zustimmung können sie mit einer schriftlichen Probandenverfügung vorab geben. Sie müssen hierbei noch über einen klaren geistigen Zustand verfügen, denn möglicherweise werden zugleich Patientenrechte außer Kraft gesetzt. Zuvor muss sie ein Arzt umfassend beraten. Ein Betreuer überprüft das Verfahren nach dem Studienbeginn und kann die Einwilligung jederzeit widerrufen.

Leidenschaftliche Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern

Die Unterstützer der Reform, wie etwa CDU-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, erhoffen sich von der Reform medizinischen Fortschritt. Durch größere Teilnehmerzahlen erhöht sich ihrer Auffassung nach die Wahrscheinlichkeit, wirksame Medikamente zum Nutzen Hunderttausender Betroffener zu entwickeln. Behindertenverbände, die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft und Kirchen kritisieren die Änderung scharf. Die Gegner halten sie für einen ethischen Dammbruch und sehen die Menschenwürde verletzt, weil Patienten demnach ohne eigenen Vorteil zu Versuchsobjekten würden.

Klare Mehrheit im Bundestag für Ausweitung

Diese Positionen trafen im Bundestag bei der Debatte aufeinander. Angesichts der ethischen Bedeutung existierte bei der anschließenden Abstimmung kein Fraktionszwang, da sich alle Abgeordneten nach ihrem Gewissen entscheiden sollten. Das Ergebnis war eindeutig: Insgesamt befürworteten 357 Parlamentarier die Gesetzesänderung, 164 sprachen sich dagegen aus. 21 Parlamentarier enthielten sich.

2017-05-19T16:09:46+00:00 21. November 2016|Allgemein|