Kinder und Jugendliche vor Fastfood und zuckerhaltigen Getränken schützen

Jedes zweite Erfrischungsgetränk enthält deutlich zu viel Zucker. Das ist das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten foodwatch-Marktstudie (siehe PDF). Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) weist darauf hin, dass insbesondere Kinder und Jugendliche gefährdet sind, unter den negativen Folgen eines dauerhaft überhöhten Zuckerkonsums lebenslang zu leiden.

Konsum zuckerhaltiger Getränke zu hoch

Nicht erst anlässlich der aktuellen Studie schlagen Deutschlands Kinder- und Jugendärzte Alarm. Schon lange weisen sie darauf hin, dass vor allem zuckerhaltige Getränke zu gesundheitlichen Folgen wie Diabetes Typ II, Gefäßerkrankungen, Karies, orthopädischen Problemen sowie Übergewicht führt. Ursächlich dafür ist u.a. ein zu hoher Konsum gezuckerter Getränke: Durchschnittlich mehr als zwei Gläser davon nehmen Minderjährige in Deutschland zu sich – zusätzlich zur normalen, ebenfalls zuckerhaltigen Nahrung. Dass das Problembewusstsein bei Eltern bisher noch nicht auf breiter Front vorhanden ist, liegt in einigen Fällen an deren Unwissen, aber auch an der Kreativität der Hersteller, die Zucker hinter wissenschaftlichen Bezeichnungen wie Glucosesirup, Fruchtextrakt oder Maltodextrose verstecken. Auch Vorbilder der Minderjährigen wie beispielsweise die Fußball-Profis tragen zu einer falschen Ernährungsweise bei, indem sie sehr zucker- und fetthaltige Lebensmittel bewerben und damit suggerieren, dass ein sportlich-gesunder Lebensstil und ungesunde Ernährung sich nicht ausschließen müssen.

Experten fordern Zuckerreduktion und Lebensmittelampel

Um das Problem nachhaltig lösen zu können, fordert der BVKJ eine Reihe an Maßnahmen, an denen sich Hersteller ebenso wie die Politik beteiligen müssten. Ganz oben auf der Forderungsliste steht die allgemeine Reduzierung von Zucker in Nahrungsmitteln. Das Argument der Industrie, dadurch möglicherweise Kunden zu verprellen, wird entkräftet, wenn alle Hersteller an einem Strang ziehen und Softdrinks aller Hersteller grundsätzlich nur noch zuckerreduziert erhältlich sind. Ideal ergänzt würde diese Maßnahme durch die vom Verbraucherschutz schon lange geforderte Lebensmittelampel (siehe PDF), die Lebensmittel mit zu hohem Zuckeranteil auf einen Blick als ungesund kennzeichnet. Auch Personen mit geringen Sprach- oder Fachkenntnissen haben damit die Möglichkeit, gesunde Lebensmittel verlässlich zu erkennen und sich damit gesünder zu ernähren.

Politik in der Verantwortung

Um Kinder und Jugendliche effektiv vor einem Übermaß an Zucker in der Nahrung zu schützen, bedarf es jedoch einiger Anstrengung mehr, insbesondere durch die Politik. Experten fordern, dass schon in Kindergärten, spätestens jedoch in der Schule das Thema gesunde Ernährung auf dem Lehrplan steht. Dem BVKJ zufolge müsste in Schulkantinen und Kiosks ein Verkaufsverbot für Softdrinks und Süßigkeiten herrschen. Ein Werbeverbot für zuckerreiche Lebensmittel dürfte ebenso zu kontroversen Diskussionen führen wie eine Zuckersteuer, wie sie bereits in Ländern wie Finnland, Frankreich, Großbritannien oder Mexico existiert. Zugleich muss sich die Politik den Vorwurf gefallen lassen, dass Minderjährige in Sachen überzuckerte Lebensmittel nicht denselben Schutz genießen wie beispielsweise Raucher – obwohl der langjährige Genuss von zu viel Zucker nachweislich gesundheitliche Probleme hervorruft.

2017-05-19T16:09:48+00:00 14. November 2016|Allgemein|