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Kiffen erlaubt! – Kanada legalisiert Cannabis

Seit dem 17. Oktober ist der Konsum von Cannabis in Kanada nicht mehr länger unter Strafe gestellt. Als erste große Industrienation erlaubt Kanada somit die Produktion, den Verkauf und den Konsum von Marihuana. Der legale Besitz ist auf maximal 30 Gramm geregelt. Davon erhofft sich die Kanadische Regierung neben der Austrocknung des illegalen Geschäfts mit der Droge enorme Steuereinnahmen.

Die Hoffnung hinter dem Entschluss

Als medizinisches Mittel in der Schmerztherapie war Cannabis auch in Kanada bereits erlaubt. Doch nun hat das kanadische Parlament einem Gesetz zugestimmt, das die berauschende Substanz auch zum privaten Konsum freigibt. Mit dem “Bill C-45” darf nun ganz legal und zum reinen Vergnügen gekifft werden. Der kanadische Premier Justin Trudeau verspricht sich von dieser Neuregelung einen besseren Schutz der Jugendlichen und einen vernichtenden Schlag gegen den illegalen Marihuana-Markt. Gleichzeitig rechnet er mit erheblichen Steuereinnahmen.

Was ist erlaubt – was nicht?

Auf Bundesebene gilt: wer Marihuana besitzt, konsumiert oder vertreibt, muss mindestens 18 Jahre alt sein, darf maximal vier Pflanzen privat anbauen und höchstens 30 Gramm der Droge mit sich führen. In einigen Provinzen liegt das Mindestalter hingegen bei 19 Jahren und der Besitz von Cannabis-Pflanzen ist komplett verboten. Einige der marktführenden Bier-, Wein- und Spirituosenvertreiber Kanadas steigen ebenfalls in das vielverheißende Geschäft mit ein. Ein Grund dafür könnten Studien sein, die ein Sinken des Alkoholkonsums in Regionen legalen Cannabis-Erwerbs dokumentieren. Zudem hoffen viele Firmen auf den legalen Verkauf von sogenannten “Edibles” – Lebensmittel, die mit Cannabis angereichert werden und ab dem kommenden Jahr erlaubt sein könnten.

Neben den Befürwortern des neuen kanadischen Gesetzes gibt es auch viele Kritiker, die die Legalisierung des Rauschmittels für unverantwortlich halten. Sie sehen einen Anstieg der Unfallstatistiken und die Zunahme von Psychosen bei Jugendlichen als unausweichliche Konsequenz einer Verharmlosung der Droge. Nun gilt es, neue Bluttests sowie Vorschriften für den Gebrauch von Cannabis durch Personen verschiedener Berufsgruppen zu erstellen. Ob der illegale Drogenmarkt mit der Legalisierung einen harten Rückschlag erfährt oder ob die Zahl der Abhängigen nur noch weiter steigt, bleibt abzuwarten.

Der Unterschied zum illegalem Cannabis-Geschäft

Während illegal erworbenes Cannabis häufig mit gesundheitsschädigenden Substanzen gestreckt oder mit Pestiziden verunreinigt ist, wird das legale Cannabis qualitätsgeprüft. Den Preis legte die Kanadische Regierung nach gründlichen Überlegungen auf rund zehn kanadische Dollar pro Gramm (ca. 6,50 €) fest. Dabei war besonderes Feingefühl gefragt: Läge der Preis zu hoch, würde illegal gedealtes Marihuana weiter nachgefragt. Läge der Preis zu niedrig, könnte das den übermäßigen Konsum des Rauschmittels begünstigen. Zum wirtschaftlichen Anbau und Vertrieb benötigen die bislang 120 Unternehmen zudem eine Lizenz.

In der Schweiz ist Cannabis-Konsum bereits legal

In der Schweiz dürfte das Legalisierungsgesetz weniger Aufsehen erregen, denn dort wird Cannabis sogar in Form von vorgedrehten Zigaretten in den Supermärkten Coop und Lidl verkauft. Mit einem THC-Gehalt der Blüten von unter einem Prozent wirkt das legale Cannabis allerdings nicht mehr berauschend, sondern entspannend und fällt somit nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Bis zu zehn Gramm darf ein erwachsener Schweizer davon besitzen.Die Schweizer Politik ist damit liberaler als die angrenzenden europäischen Nachbarländer. Rund 30 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen ab einem Alter von 15 Jahren haben schon mindestens einmal Marihuana ausprobiert. Dies bestätigt die gemeinnützige Stiftung Sucht Schweiz, die sich mit der Suchtforschung und -prävention beschäftigt.

“Cannabiskonsum ohne Risiken gibt es nicht.”

Mit diesem Slogan warnt Sucht Schweiz die Bevölkerung vor der Droge. Neben psychisch belastenden Rauscherlebnissen, negativen Wirkungen auf den Körper bei Vorbelastung und dem Abfallen der Leistungsfähigkeit, führt die Stiftung unter anderem tödliche Unfälle als eine Konsequenz des Cannabis-Konsums auf. Diese Folgen von Cannabis werden verursacht durch psychotische Zustände sowie eine verschlechterte Reaktionsfähigkeit und Konzentration. Zur Sensibilisierung führt Sucht Schweiz wissenschaftliche Studien zur Erforschung der Ursachen, sozialen Verbreitung und des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen durch. So kam zum Beispiel heraus, dass Personen, die fast täglich Cannabis konsumieren, durchschnittlich zwei Jahre früher mit dem Konsum begonnen haben, als Personen, die diese Droge kaum oder gar nicht mehr zu sich nehmen. Je eher mit dem Drogenkonsum begonnen wurde, desto wahrscheinlicher ist eine Abhängigkeit im Alter von 20 Jahren. Durch die Bereitstellung pädagogischer Mittel wie “Boby’s Geschichten”, dem “Clever Club” sowie Onlinetests und Tipps – beispielsweise für mehr Selbstwertgefühl – wendet sich die Stiftung deshalb auch gezielt an Kinder und Jugendliche. Mit ihren Websites thematisiert sie zudem verschiedene Süchte wie Internet-, Glücksspiel- und Alkoholsucht und bietet unter anderem Hilfestellungen für Eltern in Sucht. (kt)

2018-10-18T14:02:50+00:0018. Oktober 2018|Gesundheit, International, Politik|