Die Möglichkeiten für Selektivverträge wurden unlängst durch das Digitale Ver­sor­gungs­gesetz (DVG) erweitert. Die erste Krankenkasse hat sich das bereits zunutze gemacht und fördert ab sofort eine neuartige Versorgung in der Kie­fer­or­tho­pädie: Die Zahnspange aus dem 3D-Drucker.

Digitalisierung führt zu Neuerungen bei GKV

Die zunehmende Digitalisierung wirft die Frage auf, wie in Zukunft Innovationen in die GKV kommen sollen. Für eine Erweiterung der Möglichkeiten sorgt nun das Digitale Versorgungsgesetz. Digitale Gesundheitsanwendungen werden im Bun­des­institut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfarM) über das Fast-Track-Ver­fah­ren zugelassen. Gleichzeitig wird der Spielraum für Selektivverträge erweitert. Diese Möglichkeit hat die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse genutzt und nach In­kraft­treten des DVG ihren ersten Vertrag abgeschlossen. Vertragspartner ist die Dentavenir GmbH aus Nürnberg, ein Start-up-Unternehmen, das sich der Herstellung von Zahnspangen mittels 3D-Drucker verschrieben hat.

Lose Zahnspangen mit perfekter Passform

Spezialisiert hat sich das junge Unternehmen auf die Herstellung loser Zahnspangen. Im Zuge jenes Prozesses kommt ein innovatives 3D-Druckverfahren zur Anwendung. Wer sich noch an seine eigene Zahnspange erinnert, weiß, dass für die gängige Zahn­spange ein Abdruck beim Zahnarzt genommen wird und diese beim anschlie­ßenden Einsetzen doch öfter mal drückt. Bei der neuartigen Versorgung ist ein Abdruck nicht mehr notwendig, für eine optimale Passform wird der Kiefer mittels Intraoralscan ausgemessen. Da bei dieser Zahnkorrektur auf Metallklammern ver­zich­tet wird, fällt die Zahnspange kaum noch auf, was nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwach­sene ein großer Vorteil ist. Für die Krankenkasse ist das neue Her­stel­lungs­ver­fahren deutlich günstiger und schneller, denn eine Zahnklammer wird noch immer auf Grundlage des Gipsabdrucks in Handarbeit durch einen Zahn­tech­niker erstellt. Bisher ist das neuartige Verfahren nur in einer kiefer­orthopädischen Praxis in Nürnberg möglich, das soll sich jedoch noch ausweiten.

Wann zahlt die Krankenkasse für eine Zahnspange?

Die Kosten für eine Zahnspange und die dazugehörige Behandlung werden bis zum Alter von 18 Jahren von der Krankenkasse übernommen, vorausgesetzt, es ist medi­zi­nisch notwendig. Für eine leichte Zahnkorrektur müssen die Eltern die Kosten selbst tragen und das kann ganz schön teuer werden. In der Regel zahlen die gesetz­lichen Krankenkassen erst ab einer kieferorthopädischen Indikationsgruppe (KIG) von 3 für eine Zahnspange. Um sich vor hohen Zuzahlungen zu schützen, ist es sinnvoll, bereits vor dem Teenageralter eine Zahnzusatzversicherung für Kinder abzu­schließen. Ist die Behandlung mit einer Klammer vor Vertragsabschluss bereits angeraten oder begonnen worden, zahlt die Versicherung in der Regel dafür nicht. Auch weitere Leistungen, wie z.B. die professionelle Zahnreinigung, werden bei einer Zahnspange oft vom Zahnarzt empfohlen und können über eine Zusatzversicherung abgedeckt werden. Hier sollte man bei den Vertragsbedingungen genau hinschauen und sich beraten lassen.