/, Gesundheit, Politik/Keine Fair-Food Initiative in der Schweiz

Keine Fair-Food Initiative in der Schweiz

Die Schweiz ist seit jeher für die hohe Qualität ihrer Produkte bekannt. Dieser Ruf hätte sich durch die Fair-Food Initiative noch weiter verstärken können. Doch die Schweizer Bevölkerung  entschied sich gegen die gesetzliche Verankerung einer umwelt-, menschen- und tierfreundlichen Lebensmittelproduktion. Ein Grund dafür sind die möglichen Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen.

Initiative will die Schweizer Verfassung ändern

Am 23. September 2018 ist die Entscheidung gefallen: Mit rund 60-prozentiger Mehrheit wurde die Fair-Food Initiative zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft in der Schweiz und zur Verbesserung der Qualität von Lebensmittelimporten in das Land abgelehnt.

Befürworter sahen keine schwerwiegenden Konsequenzen für den internationalen Handel und wollten sich mit ihrer Stimme für einen fairen und sozialen Handel einsetzen, der den Tierschutz berücksichtigt. Zudem wollte die Initiative Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung unterstützen, Produkte genau deklarieren lassen und die regionale Landwirtschaft in den Vordergrund rücken. Dies alles per Gesetz und durch eine entsprechende Verankerung in der Verfassung. Zunächst sah es nach einem Sieg aus.

Was die Mehrheit der Schweizer will

Der anfängliche Vorsprung verringerte sich jedoch und die Anzahl der Gegner, die vor Handelskonflikten und Preisanstiegen warnten, überwog am Ende. Schweizer Standards für Lebensmittelimporte könnten Produkte wie italienische Mozzarella und irische Milch, die zur Produktion von Schokolinsen verwendet wird, teurer machen. Die drohende Knappheit von Importgütern und eine Verschlechterung der Handelsbeziehungen stellten bei der Abstimmung letztendlich die stärkeren Argumente dar. Ein Weiterer Grund für den Ausgang des Volksentscheids könnten die Stimmen einiger Schweizer Importeure gewesen sein. Sie kaufen Lebensmittel im Ausland zu einem geringen Preis ein und verkaufen sie anschließend im Inland um ein Vielfaches teurer weiter. Neben der Fair-Food Initiative wurde auch über ein Gesuch der Bauerngewerkschaft entschieden, die sich für gerechtere Preise und eine angemessene Bezahlung von Bauern einsetzte. Doch auch dies wurde eindeutig abgelehnt.

Initiativen wie “Brot für alle” setzen sich weiter ein

Auch wenn die letzte Volksabstimmung eine Niederlage brachte, könnten Initiativen wie Fair-Food und Brot für alle Einfluss auf das derzeit verhandelte Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia haben. Eines der Hauptexportgüter dieser Länder stellt die Monokultur Palmöl dar, die auf Kosten des Regenwaldes angebaut wird. Die günstigen Importe des Palmöls würden eine Bedrohung für Schweizer Rapsöl-Produzenten darstellen. Eine Ausklammerung des Produktes aus dem Abkommen könnte dies verhindern.

Nach Aussagen der Stiftung Brot für alle sind die Schweizer Importe von Palmöl in den letzten 20 Jahren um mehr als das Dreifache gestiegen. Von den rund 30.000 Tonnen importierten Öls kommen 40 Prozent aus Indonesien und Malaysia. Eine Zollreduktion könnte den Verbrauch und die Produktion weiter ankurbeln, sodass Regenwaldrodungen, Landkonflikte und die Gefährdung von Mensch und Tier weiter voranschreiten. Dazu kommt der gesundheitliche Aspekt: Palmöl enthält Stoffe wie Glycidyl-Fettsäureester, die Wissenschaftler als “wahrscheinlich krebserregend” einstufen. Die vielen gesättigten Fettsäuren des Rohstoffs erhöhen zudem das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Entwicklungsprojekte und Informationskampagnen wie die von Brot für alle und Fair-Food machen weiter auf solche Themen aufmerksam. Damit könnten sie zu einer Sensibilisierung der Bevölkerung beitragen, sodass kommende Entscheide möglicherweise anders ausfallen werden. (vk)

2018-10-12T15:27:33+00:0012. Oktober 2018|Ernährung, Gesundheit, Politik|