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Kein Kinderspiel – Depressionen betreffen nicht nur Erwachsene

In einer Gesellschaft, in der viele körperliche Krankheiten bereits mit geringem Aufwand behandelbar sind, wird nun die Heilung psychischer Erkrankungen immer wichtiger. Diesen lange Zeit spät oder gar nicht behandelten Krankheiten wird nun zunehmend Aufmerksamkeit gewidmet. Spätestens aber, seit ein Bericht von Eurostat zu Tage brachte, dass in Deutschland etwa jeder Zehnte an einer Depression erkrankt. Besonders alarmierend: Bereits Kinder im Kleinkindalter können davon betroffen sein.

Im EU-Vergleich liegt Deutschland vorn

Zuverlässige Erhebungen zeigen, dass jeder achte Mann und jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens an einer Depression leiden. Die Lebenserwartung der Betroffenen sinkt hierdurch um zehn Jahre. Deutschland steht in dem Bericht des Statistischen Amts der Europäischen Union vor Italien und Tschechien, bei denen die Zahl der an Depression Erkrankten nur halb so hoch ist. In Rumänien ist nur jeder Vierzigste betroffen. Die EU-Statistiker suchen nach Erklärungen für den vergleichsweise hohen Anteil an Erkrankungen in Deutschland. Neben kulturellen Unterschieden führen sie an, dass diese Krankheit hierzulande schneller erkannt wird, als in vielen anderen EU-Ländern. Doch auch wenn Deutschland im europäischen Vergleich negativ auffällt, so erhalten Betroffene in diesem Land besonders viel Hilfe. Eine Depression wird als das gesehen, was sie ist – eine schwere Krankheit. So gibt es wesentlich mehr Therapeuten als anderswo. Die Kosten der Behandlung werden zudem von den Krankenkassen getragen und es besteht Anspruch auf Lohnfortzahlung und Krankengeld.

Bereits Kinder werden depressiv

Doch Depressionen treten durchaus schon im frühen Kindesalter auf. Dabei besteht die Gefahr, dass Kinder die Auswirkungen der Erkrankung noch ihr ganzes Leben lang zu spüren bekommen. Laut der Deutschen Depressionshilfe sind circa ein bis zwei Prozent der Kinder im Vor- und Grundschulalter betroffen. Bei Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn Jahren erkranken derzeit etwa drei bis zehn Prozent an einer Depression. Für Eltern ist es dabei besonders schwierig, eine Depression von einer Verstimmung zu unterscheiden, die mit der normalen Entwicklung des Kindes zusammenhängt. Aus Furcht vor Verurteilung suchen betroffene Kinder und Eltern zudem häufig erst spät oder gar nicht Hilfe. Eine Depression kann auch leicht übersehen werden, wenn die Kinder zum Beispiel anderweitig verhaltensauffällig sind. Die Verschiedenartigkeit der Erscheinungs- und Verhaltensformen depressiver Kinder macht eine genaue Feststellung der Merkmale für Betroffene mitunter schwer.

Depression selbst erkennen

Zur frühzeitigen Erkennung einer Depression stellt die Deutsche Depressionshilfe eine Liste typischer Symptome für verschiedene Alterskategorien zur Verfügung. Kleinkinder können zum Beispiel durch erhöhte Reizbarkeit, Teilnahmslosigkeit und übertriebene Anhänglichkeit auffallen. Schulkinder werden oft von unangemessenen Schuldgefühlen, Ängsten und einem Mangel an Freude geplagt. Bereits in diesem Alter können Suizidgedanken entstehen, die mitunter auch in der Pubertät auftreten. In dieser leiden Depressive oft an psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, sind lustlos und verlieren teils auffällig an Gewicht. Auf ihrer Webseite zeigt die Deutsche Depressionshilfe Menschen jeden Alters Wege aus der Depression und hilft, mit dem Thema Suizid und suizidgefährdeten Menschen umzugehen. Gerade in Deutschland ist diese Aufklärungsarbeit besonders wichtig: Im Jahr 2015 war dies mit 10.080 Fällen die häufigste Todesursache. Damit es gar nicht erst soweit kommt, kann ein Anruf bei der Telefonseelsorge helfen.

Kreativer Umgang mit der Depression

Die Deutsche Depressionsliga engagiert sich ebenfalls in dieser Angelegenheit und bietet Aufklärung und Hilfe an. Eines ihrer kreativen Projekte ist die jährliche “MUT TOUR”. Dabei werden verschiedene Routen in ganz Deutschland abgefahren und in mehreren Städten gibt es Info- und Mitfahr-Aktionen zum Thema Depression. Daran kann sich jeder beteiligen, der ein Fahrrad hat und ein Zeichen für den offenen und normalen Umgang mit der Krankheit setzen will. Durch Projekte wie die Lesereise “Papas Seele hat Schnupfen” und das Aufklärungsformat „Vicky will’s wissen“ macht die Deutsche Depressionsliga das Thema auch für eine junge Zielgruppe zugänglich. Die Webseite bietet zudem eine Liste mit Adressen und Anlaufstellen für unmittelbar Betroffene und Beistehende, sowie eine Übersicht behandelnder Kliniken. Zudem stellt die Selbsthilfeorganisation eine E-Mail- und Telefonberatung zur Verfügung. Damit ist sie eines von vielen positiven Beispielen für den offenen und aufgeklärten Umgang mit der Krankheit in Deutschland. (kt)

2018-10-25T16:38:23+00:0025. Oktober 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International|