Keimbelastung bei Reisenden noch lange hoch

Reisende, die ihren Urlaub in südasiatischen Ländern verbringen möchten, können sehr schnell und zugleich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit resistenten Bakterien in Kontakt kommen. Betroffene Personen können in den folgenden Wochen und Monaten eine erhebliche Gefahr für Immungeschwächte sein, die sich in ihrem unmittelbaren Umfeld aufhalten. Im Rahmen einer Studie konnte ermittelt werden, dass die ursprünglich nicht infizierten Studienteilnehmer Keime aus dem jeweiligen Reiseland mitgebracht hatten.

Infektionen keineswegs selten

Reisen in weniger entwickelte Länder bergen oft ein hohes Infektionsrisiko. Auch ESBL-bildende Enterobakterien spielen in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle. Im Rahmen einer Studie untersuchten Infektiologen um Dr. Maris S. Arcilla (Erasmus University Medical Centre Rotterdam) die Infektionshäufigkeit, die Persistenz nach der Rückreise sowie etwaige Risikofaktoren. Die Studie COMBAT (in Englisch verfügbar) erstreckte sich auf den Zeitraum zwischen November 2012 und 2013. 2001 Urlauber nahmen an der Untersuchung teil, die in ganz unterschiedliche Länder reisten. Darüber hinaus berücksichtigte die Studie weitere 215 Teilnehmer, die mit einer der verreisten Personen im gleichen Haushalt leben, jedoch selbst keine Reise unternahmen.

Untersuchung auf ESBL-Keime

Vor sowie direkt nach der Reise gaben die Teilnehmer Stuhlproben ab. Einen Monat, dann drei, sechs und zwölf Monate später wurde diese Untersuchungsprozedur zur Lokalisierung von resistenten Bakterien wiederholt. Außerdem mussten die Reisenden Fragen zum Reiseziel sowie zu Erkrankungen während ihres Auslandsaufenthalts beantworten. Die Stuhlproben wurden von den Wissenschaftlern auf ESBL – Extended-Spectrum Beta-Lactamases – Keime (siehe PDF) untersucht. Die Infektiologen berichten, dass etwa jeder dritte nicht infizierte Studienteilnehmer Keime mitgebracht hat. Aus diesem Personenkreis entfielen 75 Prozent auf jene Reisende, die ihren Urlaub in Ländern Südasiens verbracht hatten. 49 Prozent der Infizierten hielten sich in Zentral- und Ostasien auf, Westasien sowie Nordafrika schlugen mit 42 Prozent zu Buche. Ein geringes Risiko für eine Infektion mit resistenten Keimen bestehe auf den Kontinenten Nordamerika und Europa sowie in den Regionen Südafrika und Ozeanien. Zudem konnten die Wissenschaftler herausfinden, dass sich die Infektionsraten bei ESBL-bildenden Keimen beim Gebrauch von Antibiotika während der Reise sogar verdreifachten.

Stärkeres Bewusstsein bei Medizinern und Reisenden wecken

Professor Dr. med. Tomas Jelinek, leitender Wissenschaftler des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf (CRM), ist aufgrund der Studienergebnisse der Ansicht, dass „mehr Bewusstsein“ für das Problem sowohl bei Medizinern als auch Reisenden Einzug halten muss. Außerdem schütze regelmäßiges und zugleich gründliches Händewaschen gefährdete Personen stärker vor Infektionen.

2017-05-19T16:09:44+00:00 1. Dezember 2016|Allgemein|