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KBV will Kostenerstattung für Homöopathie untersagen

Die Homöopathie erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit bei Patienten. Sehr zum Unmut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die eine Streichung homöopathischer Leistungen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen anstrebt. Die Auffassungen zu dieser alternativen Behandlungsmethode gehen bekanntlich weit auseinander, die KBV gehört offenbar nicht zu den Anhängern. Nach Meinung der kassenärztlichen Bundesvereinigung, so hieß es im Vorfeld des Deutschen Ärztetages in Freiburg, fehle der Nutzennachweis, woraus wiederum die Forderung resultiert, den Krankenkassen die Kostenerstattung von homöopathischen Behandlungen zu untersagen. Zumindest, solange keine aussagekräftigen Studien nach strengen wissenschaftlichen Prämissen vorliegen, die eine Wirksamkeit nahelegen. Ausnahmen hingegen könnte es für streng regulierte Tests unter wissenschaftlicher Begleitung geben.

Homöopathie als günstiges und gefragtes Zusatzangebot

Nach Angaben des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte lassen sich derzeit rund 12 Millionen Patienten pro Jahr homöopathisch behandeln. Vor allem junge, gesunde und gut verdienende Personen greifen gern auf die Homöopathie zurück. Das wissen auch die Krankenkassen – und folgen dem Trend. Zwei von drei Kassen übernehmen derzeit die Kosten für homöopathische Behandlungen. Hinzu kommt eine große Anzahl an Zusatzversicherungen, die den gesetzlichen Krankenversiche­rungsschutz ergänzen. Überzeugt zeigen sich allerdings auch die Krankenkassen nicht unbedingt von der Wirksamkeit der Behandlungen, sondern eher von deren vergleichsweise geringen Kosten. Ob die vermeintliche Wirkung von Globuli auf einen Placeboeffekt zurückzuführen ist oder andere Ursachen hat, für die Kostenträger ist das unterm Strich irrelevant. Die Leistung ist gefragt, zieht überwiegend junge, gesunde Versicherte an und verursacht geringe Kosten – perfekte Voraussetzun­gen, um den Leistungskatalog der Kassen mit dieser „besonderen Therapierichtung“ zu erweitern.

Stopp der Kostenerstattung nicht zu erwarten

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht diese Einstellung mit Sorge, zahlen Kassen doch für Leistungen, die nach Meinung des KBV keine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung erzielen. Dem widerspricht u.a. der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands (VKHD e.V.), der Erfahrungsberichte veröffentlicht hat, die sowohl die Wirksamkeit als auch die Wirtschaftlichkeit der Homöopathie belegen sollen. Allerdings wird auch von Seiten der Homöopathen selbst klargestellt, dass das Wirkprinzip homöopathischer Behandlungen bisher nicht endgültig entschlüsselt ist.

Der nun von der KBV geforderte Kostenstopp scheint allerdings ohnehin in weiter Ferne zu sein: Die Politik ist bemüht, eine umfassende medizinische Versorgung auch mit alternativen Heilmethoden zu gewährleisten. Das politische Engagement geht sogar so weit, dass Annette Widmann-Mauz (CDU), Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, als Schirmherrin des 72. Homöopathischen Weltärztekongresses Mitte Juni in Leipzig (PDF) auftritt. Mit dieser Form der Rückendeckung erscheint es unwahrscheinlich, dass die Politik dieser Forderung der KBV in näherer Zukunft Folge leisten wird.

Vorschläge der KBV zur Verbesserung des Gesundheitssystems

Möglicherweise bringt die Politik den von der kassenärztlichen Bundesvereinigung ins Spiel gebrachten Ideen für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens mehr Interesse entgegen. Als Vertreter der Rechte von Vertragsärzten, sind sie an einer aktiven Beteiligung an strukturellen Änderungen interessiert. Daher hat die KBV ein Programm veröffentlicht, welches in 8 Punkten für eine richtungsweisende und nachhaltige Gesundheitspolitik eintritt. Laut KVB gibt es zum Beispiel Spielraum für Verbesserungen in der Notfallversorgung oder beim gemeinsamen Wirken der verschiedensten Berufe des Gesundheits­sektors. Auch spricht sich der Verbandschef, Dr. Andreas Gassen, für eine bessere Bedarfsplanung und Koordination von Gesundheitsleistungen aus. Davon würden letztlich auch die Krankenkassen profitieren, wenn die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nur dort ausgegeben werden, wo ein tatsächlicher Bedarf besteht. Das kann, so Gassen, mit dringend nötigen Veränderungen im Bereich der Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung gelingen.

Dialog statt Substitution

Das Thema Networking steht auch beim Kongress der Homöopathen im Vordergrund, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, Ärzte und Apotheker bei diesem Treffen an die Homöopathie heranzuführen. Übrigens nicht nur bereits tätige Homöopathen: Um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, setzen die Alternativmediziner auf den Schulterschluss mit konventionell behandelnden Ärzten. Das vorgebliche Ziel: Das jeweils beste Therapiekonzept für Patienten, insbesondere für Personen mit schweren chronischen Erkrankungen oder Mehrfachdiagnosen, zu finden und anzuwenden.

2017-10-17T15:42:23+00:00 9. Juni 2017|Gesetzlich, Recht, Versicherung|