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KBV fordert Änderungen in der ambulanten Versorgung

Wie die ambulante Gesundheitsversorgung der Zukunft in Deutschland aussehen könnte, das war Gegenstand des Sicherstellungskongresses der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Ende Juni in Berlin. Das Kernthema sei KBV-Chef Gassen zufolge eine Umgestaltung des Belegarztwesens. Unterstützung erfährt die KBV-Forderung durch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Kernforderung: Neues Belegarztwesen

Bei einer Diskussion mit dem Bundesgesundheitsminister im Rahmen dieses Kongresses betonte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Gassen, die Notwendigkeit, ambulante Versorgung und Kliniken enger zu verzahnen. Dies, so Gassen, erfordere eine Neudefinition des in den vergangenen Jahren vernachlässigten Belegarztwesens, das bei dieser Gelegenheit auch einen neuen Namen erhalten könnte. Die Idee: Zur kontinuierlichen Betreuung sollen zentrale Einrichtungen mit Anschluss an alle Facharztgruppen entstehen, deren Koordination die Hausärzte übernehmen könnten. Auf diese Weise wäre es der KBV zufolge auch möglich, Überkapazitäten im stationären Bereich abzubauen. Gleichzeitig könne es sinnvoll sein, einen Teil der Betten kurzzeitig mit ambulant versorgten Patienten von Vertragsärzten zu belegen, die z.B. nach einem Eingriff oder einer Medikamentenumstellung für kurze Zeit überwacht werden müssen.

Versorgungsstrukturen anpassen

Mit dieser Überlegung einher geht die Idee, Versorgungsstrukturen an die jeweilige Region individuell anzupassen und die Vernetzung der spezialfachärztlichen ambulanten Versorgung voranzutreiben. Vorstellbar für die Kassenärztliche Bundesvereinigung wäre beispielsweise, kleinere Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen in medizinische Versorgungszentren (MVZ) umzuwandeln, die damit dauerhaft eine ambulante medizinische Versorgung gewährleisten könnten. In Deutschland gibt es rund 2.500 Versorgungszentren, deren wirtschaftliche Lage seit 21.06.2017 anhand einer Online-Befragung des Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) ermittelt wird. Beauftragt wurde die Umfrage durch die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Der Bundesverband Medizinische Versorgungszentren e.V. (BMVZ) unterstützt die Datenerhebung und erhofft sich weitere Erkenntnisse zu den Betriebskosten sowie zu den Rahmenbedingungen der Patientenversorgung. Erstmalig werden nicht nur Arztpraxen befragt, sondern auch die komplex strukturierten Versorgungszentren – dafür wurde mit fachlichem Beistand des BMVZ ein spezielles Panel in den bereits bestehenden Fragebogen eingebaut.

Weniger Fokus auf Telemedizin

Mit Blick auf die nähere Zukunft der ambulanten Versorgung warnt Gassen davor, die Telemedizin zu überschätzen. Diese könne nicht die Antwort auf Versorgungsfragen sein und fehlende Mediziner ersetzen. Stattdessen sei die Telemedizin als Hilfsmittel zu verstehen. Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen bestätigt Minister Gröhe die Wichtigkeit des ambulanten und stationären Sektors. Geht es nach ihm, steht künftig vor allem eine bessere Vernetzung beider Angebote im Vordergrund, um Patienten lückenlos und effizient behandeln zu können.

2017-10-17T10:31:40+00:00 13. Juli 2017|Gesundheit, Politik, Recht|