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Jedem zweiten Rentner droht künftig die Altersarmut

Wie eine neue Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, droht die Hälfte der Bundesbürger mit Rentenbeginn in die Altersarmut abzurutschen. Die Ergebnisse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) decken eine beunruhigende Entwicklung auf.

Rund 700 Euro fehlen monatlich

Die Studienergebnisse des DIW zeigen, dass voraussichtlich jeder zweite der heute 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmer im Alter nicht genügend Geld für den Lebens­unterhalt haben wird. Im Durchschnitt sollen den Betroffenen monatlich 700 Euro fehlen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Arbeitnehmer nur gesetzlich oder betrieblich rentenversichert ist. Das trifft bedauerlicherweise auf die überwiegende Mehrheit der Berufstätigen zu. Laut dem DIW muss die Hälfte von ihnen damit rechnen, mit dem Renteneintritt in die Altersarmut abzurutschen. Als besonders gefährdet gelten Frauen, Geringverdiener und Langzeitarbeitslose.

Rechnet man das (noch) vorhandene private Gesamtvermögen der Betroffenen hinzu, bleiben unterm Strich noch 41 Prozent der Arbeitnehmer übrig, denen ein sozialer Abstieg drohen würde. Studienautor Dr. Markus M. Grabka vom DIW Berlin wies darauf hin, dass dieses Vermögen sehr ungleich verteilt sei. Es zeigte sich, dass von denen, die nur Anwartschaften an die gesetzliche Rentenversicherung haben, ein Viertel nicht in der Lage sei, ihren aktuellen Konsum auch mit dem Vermögen zumindest fünf Jahre lang bestreiten zu können.

Reform der Rentenversicherung dringend nötig

Aufgrund dessen sollten jüngere Generationen sich bereits jetzt mit der Altersvorsorge auseinandersetzen. Alle Bundesbürger, die nach 1964 geboren wurden, müssen voraussichtlich bis zu einem Alter von 67 Jahren arbeiten, während gleichzeitig das Rentenniveau weiter sinken wird. Aktuell erhält man 48 Prozent des Gehalts: Bei einem durchschnittlichen Entgelt in Höhe von 2.500 Euro blieben also 1.200 Euro; bei einem Verdienst mit Mindestlohn bleiben bei rund 1.450 Euro nur noch 700€ übrig. Da der Lebensstandard so nicht gehalten werden kann, gibt es Alternativen wie die betriebliche (bAV) oder die private Altersvorsorge.

Die einst hoch gelobte Riester-Rente erwies sich in vielen Fällen jedoch als Kostenfresser, erlebt gerade aber eine Art Renaissance. Sie kann dem rentennahen Jahrgang allerdings kaum noch Abhilfe verschaffen. Wie die Studie zeigt, sind selbst Riester- oder Rürup-Verträge kein verlässlicher Schutz vor Altersarmut. Die Verträge senken den Anteil der zukünftig voraussichtlich Betroffenen nur um zwei Prozent. Die Ergebnisse des DIW machen deutlich, dass das System der Altersabsicherung reformiert werden müsste, damit mehr Menschen ihren Lebensstandard auch im Alter halten können. Hierzu stünden der Politik diverse Instrumente zur Verfügung, so die Autoren der Studie. (jl)

2018-10-08T15:33:32+00:008. Oktober 2018|Gesetzlich, Versicherung, Vorsorge|