Für die Krankenkassen zeichnet sich schon heute ein interessantes neues Jahr ab. Vier Fusionen sind für 2017 bis jetzt angekündigt worden oder sollen umgesetzt werden. Dass Krankenkassen sich zusammenschließen ist grundsätzlich nicht neu, der Trend beschleunigt sich jedoch. Als Hauptursache gelten stetig steigende Ausgaben.

Teuerste Krankenkasse verschwindet

Vor allem kleinere Betriebskrankenkassen können den alljährlichen Kostenzuwachs nicht mehr stemmen und sehen sich früher oder später zu Fusionen gezwungen, um Kosten einzusparen. Bestes Beispiel dafür sind die BKK VBU, die mit der Vereinigte BKK zur neuen BKK VBU fusioniert sowie die E.on BKK, die sich mit der energie-BKK unter deren Namen zusammenschließt. Bemerkenswert ist vor allem die Fusion zwischen der BKK Braun-Gillette und der pronova BKK gleich zu Jahresbeginn. Mit diesem Zusammenschluss verschwindet die aktuell teuerste Krankenkasse Deutschlands. Die BKK Braun-Gillette mit einem Zusatzbeitrag von aktuell 1,9 Prozent geht in der pronova BKK mit einem Zusatzbeitrag von derzeit 1,2 Prozent auf. Wie sich die Beitragshöhe künftig für alle Mitglieder gestalten wird, bleibt abzuwarten.

Großfusion mit Nebenwirkungen

Der zweite interessante Zusammenschluss des kommenden Jahres betrifft die Barmer GEK und die Deutsche BKK. Bemerkenswert ist diese Fusion aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen entsteht damit die größte Krankenkasse der Bundesrepublik mit rund 7,6 Millionen Versicherten. Die bislang größte Ersatzkasse, Techniker, mit etwa 7,3 Millionen Versicherten wird damit auf den zweiten Platz verdrängt. Zum anderen handelt es sich bei diesem Zusammenschluss um eine kassenartübergreifende Fusion – eine große BKK fusioniert mit einer Ersatzkasse und scheidet damit aus dem BKK-System aus. Das wiederum könnte sich negativ auf den BKK-Haftungsverbund auswirken. Schließlich schwächt das Ausscheiden einer großen Kasse den Verbund, künftige Insolvenzen müssten von weniger Betriebskrankenkassen getragen werden, was die Belastung für die einzelnen Kassen erhöht. In der Folge kann allein diese Entwicklung schon weitere Insolvenzen und Fusionen kleinerer Betriebskrankenkassen nach sich ziehen.

Ursachenforschung: Demografischer Wandel nicht allein verantwortlich

Fusionen zwischen Krankenkassen werden in der Regel dann angestrebt, wenn mindestens eine Kasse die Ausgabenlast nicht mehr länger allein schultern kann. Oftmals wird als Ursache dafür der demografische Wandel angeführt. Der treibt zwar tatsächlich die Kosten, ist aber nicht allein und auch nicht in der Hauptsache für steigende Kosten verantwortlich. Viel größere und wichtigere Kostenfaktoren betreffen den medizinischen Fortschritt gepaart mit einer zu hohen Anzahl an Arztbesuchen und Operationen in Ballungszentren sowie wachsender Spezialisierung und steigenden Honoraren im Gesundheitswesen.