Pflegende können in Zukunft mehr Unterstützung bei ihrer Arbeit erhalten. Durch eine innovative Datenbrille, die mit der neuartigen Augmented-Reality-Technologie ausgestattet ist, kann es gelingen, Wunden besser zu versorgen, Zweitmeinungen schneller einzuholen und die Dokumentation zu ver­einfachen. Das Projekt “Pflegebrille 2.0” der Technischen Universität Clausthal steckt mitten in der Entwicklung – in 2 Jahren könnte die Brille auf den Markt kommen.

Verbesserte Versorgung bei Patienten: Kann die neue Datenbrille helfen?

Eine neuartige Datenbrille, die mit der Augmented-Reality-Technologie ausgestattet ist, kann Pflegenden unter Umständen helfen, die Wundversorgung bei Patienten zu optimieren. Das gilt insbesondere im Hinblick auf chronische Wundprozesse, die ständig ärztlich kontrolliert werden müssen. Dies ist nich nur für Pflegeheime interessant, sondern auch besonders für die häusliche Pflege. Die Pflegeperson erhält einige wichtige Informationen, die unmittelbar in das Sichtfeld der Brille eingeblendet werden. Der Vorteil der Brille: Der Nutzer hat währenddessen beide Hände frei, um nötige Handgriffe sofort auszuführen. Die Steuerung der Brille erfolgt über Bewegungen mit dem Kopf, sodass die Arbeitsaufläufe nicht durch eine umständliche Bedienung gestört werden.

Brille kann gute Pflege nicht setzen

Projektleiter und Erfinder der Brille, Prof. Michael Prilla von der TU Clausthal, betont, dass trotz innovativer Brille die Pflegenden an erster Stelle stehen: ”Die Brille soll nicht und kann auf gar keinen Fall qualifiziertes Personal ersetzen, weil eine gute Ausbildung natürlich der erste Schritt ist, Pflege überhaupt durchzuführen. Und natürlich können wir mit der Brille auch niemandem, der es nicht gelernt hat, eine komplexe Pflegetätigkeit durchführen lassen.” Nach dem Ende des vorhergehenden Projektes “Pflegebrille”, an dem mehrere Akteure beschäftigt waren, hat die TU Clausthal die Weiterentwicklung jetzt alleine in die Hand genommen.

Direkter Kontakt zu Fachärzten dank Live-Chat

Die Digitalbrille birgt noch mehr positive Aspekte für Pflegebedürftige in sich. Ein Beispiel ist eine verbesserte Organisation der Wundversorgung durch die Verbindung mit einem Facharzt über einen Live-Chat. Dabei kann die Sicht des Pflegenden über eine Live-Verbindung zu einem Experten übertragen werden. Dieser hat somit Gelegenheit, sofort einen Blick auf die Wund-Situation zu werfen, um die Lage besser einschätzen zu können. Damit ist es möglich, im Notfall direkte Anweisungen zu geben, wie in dem betreffenden Fall zu verfahren ist. Da hier mit sehr persönlichen Informationen gearbeitet wird, ist Datensicherheit ein zentrales Stichwort. “Das sind ja sensible Daten. Das heißt, da müssen wir genau aufpassen, dass wir die verschlüsselt übertragen. Das ist ganz wichtig, sowohl für die Patienten als auch für die Pflegekräfte.”, so Prof. Michael Prilla.

Weitere Einsatzgebiete bereits in Planung

Die neuartige Technik kann nicht nur im Wundmanagement Verbesserungen bringen. Forschungen haben ergeben, dass es weitaus mehr Einsatzmöglichkeiten für die Datenbrille gibt. Beispielsweise kann das Gerät beim Schmerzmanagement oder bei weiterer Pflege wie dem Absaugen von Schleim aus dem Rachen eingesetzt werden. In zwei Jahren könnte die digitale Brille in den Handel kommen. Der Preis wird sich laut Projektteam auf schätzungsweise 1000 € belaufen.