Immer weniger Hebammen – weitere Geburtsstationen schließen

Niedrige Löhne, steigende Kosten – trotz immer mehr Geburten müssen viele Hebammen aufgeben. Die wohnortnahen Geburten sind zunehmend in Gefahr und momentan kann nicht jede Frau von einer Hebamme versorgt werden. Eine Entwicklung, die untragbar ist.

Wie ist die Lage der Hebammen?

Die schwierige Lage der Hebammen war das Thema des internationalen Hebammentages am 05. Mai 2017. Immer weniger der freiberuflichen Hebammen schaffen es, die deutlich gestiegenen und weiter steigenden Gebühren für die Haftpflichtversicherung zu stemmen. Ab Juli 2017 werden diese Kosten mehr als 7000 Euro im Jahr betragen. Es gibt zwar Ausgleichs­zahlungen durch die Krankenkassen (Liste aller Kassen), doch diese sind mit einem mühseli­gen Prozess verbunden. Es kann bis zu neun Monate dauern, bis die Auszahlungen erfolgen. Auch das Einkommen der freien Hebammen sorgt nicht dafür, deren Lage zu verbessern, denn sie liegen am Rand der Mindestlohngrenze – angestellte Hebammen bekommen von ihrer Klinik rund 2800 Euro als Einstiegsgehalt.

Die Auswirkungen der prekären Lage

Immer mehr Hebammen werden krank oder geben ihren Beruf auf. Sie schaffen es einfach nicht mehr, der Belastung standzuhalten. Das bedeutet für entbindende Frauen, dass sie ins Krankenhaus geschickt werden oder unter der Geburt nicht richtig betreut werden, weil der Kreißsaal belegt ist. Die flächendeckende Versorgung mit Hebammen wird so beinahe zur Unmöglichkeit. Laut der Vorsitzenden des NRW-Hebammenverbandes, Barbara Blomeier, wurden von 2011 bis Ende 2015 insgesamt 18 Geburtsstationen geschlossen und somit auf nur noch 172 reduziert – weitere Schließungen sollen folgen. Vor allem in der ländlichen Region kommt es dadurch häufig zu weiten Wegen und langen Wartezeiten, sowie teilweise zu Abweisungen aufgrund von Personalmangel und fehlenden Räumlichkeiten. Vorsitzende Blomeier fordert deshalb eine „Änderung der Finanzierung der Geburtsstationen und der Honorierung von Geburten“.

Hebammen müssen bis zu drei Geburten gleichzeitig versorgen

Eigentlich hat jede Schwangere qua Gesetz die freie Wahl des Geburtsortes, ob zu Hause, in einem Geburtshaus oder Krankenhaus. Die Geburtskosten sind eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse und werden zu 100 Prozent übernommen. Eine Hebamme gehört zu jeder Geburt dazu und betreut die Schwangere vor, während und nach der Geburt. Tatsächlich entscheiden sich die meisten Frauen für eine Geburt im Krankenhaus, aber selbst hier wird die Lage immer schwieriger. Kreißsäle werden geschlossen oder sind von der Schließung bedroht. Hebammen müssen bis zu drei Geburten gleichzeitig betreuen, was eine intensive und sachgerechte Betreuung nahezu ausschließt.

Dringender Handlungsbedarf

Zwar steigen die Zahlen der Geburten an, doch die Lage der Hebammen erfordert dringenden Handlungsbedarf. Die kundigen Frauen sorgen dafür, dass eine Geburt reibungslos verläuft und die Ärzte nur bei Komplikationen eingreifen müssen – da eine Geburt jedoch Stunden oder auch Tage dauern kann, lässt sie sich schlecht planen. Das wiederum sorgt dafür, dass die Geburtshilfe für die meisten Kliniken ein Minusgeschäft ist. Hier sind allerdings auch die Eltern selbst gefragt, sich nachhaltig für ihre Interessen und die der Hebammen einzusetzen.

2017-06-16T10:12:51+00:00 9. Juni 2017|Allgemein|