Hochbegabung bei Kindern rechtzeitig erkennen und fördern

Inklusion und die richtige Förderung leistungsschwächerer Schüler waren im Bereich Schule und Bildung in den letzten Jahren immer wieder Thema oder gar Gegenstand bildungspolitischer Maßnahmen. Dass auch hochbegabte Kinder einer Förderung bedürfen, wird immer wieder gern übersehen. Dabei dürfen Hochbegabte ebenso wenig allein gelassen werden wie andere Kinder.

Hochbegabung keine Sache der Noten

Noch immer steht das Vorurteil im Raum, das hochbegabte Kinder keiner Förderung bedürfen, da sie in der Schule ohnehin mit guten Noten durchkommen. Diese Aussage ist jedoch falsch. Selbst wenn Schüler mit guten Noten auffallen, ist damit die Sache nicht erledigt. Nicht selten sehen sich hochbegabte Kinder in ihrem sozialen Umfeld Problemen gegenüber oder werden in ihrem Wissensdurst durch die Schule ausgebremst. Noch häufiger ist es allerdings so, dass hochbegabte Schüler durch Langeweile, Desinteresse, Schwierigkeiten mit anderen Schülern und Leichtfertigkeit gar keine guten Noten in der Schule erreichen – und gleich doppelt gefrustet sind.

Schwer zu erkennen: Hochbegabung

Sowohl für Eltern als auch für Lehrer ist es allerdings durchaus schwierig, eine Hochbegabung zu erkennen. Verschiedene Anzeichen von begabten Kleinkindern sind ein Überspringen von Entwicklungsphasen (lernt schnell laufen oder sprechen), ein schnell größer werdender Wortschatz oder frühzeitiges Interesse an der Umgebung, sowie an Buchstaben, Zahlen und Symbolen.  Auch das eigenständige Beibringen von Lesen, Schreiben oder Rechnen, das Spielen überwiegend mit Älteren oder auch eine ungewöhnlich frühe und gute Hand-Augen-Koordination können dafür sprechen. Bei Kindern im Kindergarten, Vorschul- oder Grundschulalter können die Anzeichen ein den anderen Kindern übertreffender Wissensstand in einem Gebiet sein, nachhaltiges Interesse in verschiedenen Bereichen, besondere Fähigkeiten in bestimmten Bereichen oder auch die frühzeitige Fähigkeit zu komplexen Lösungsstrategien.

Tests helfen Hochbegabung zu diagnostizieren

Diese Verhaltensweisen können aber durchaus begraben sein unter den Zeichen einer Unterforderung wie Langeweile, Frustration, die Suche nach Aufmerksamkeit und so weiter. Ein professioneller Intelligenztest unter Anleitung eines Psychologen kann da mehr Sicherheit geben. Ab einem IQ von 130 liegt eine Hochbegabung vor – der Normalbereich ist 95 bis 100. Ein aussagekräftiges Ergebnis ist bei Kindern ab fünf Jahren möglich. Eine gute Orientierungshilfe zur Erkennung eines hochbegabten Kindes bieten mittlerweile auch spezielle Online-Tests oder sogenannte Online-Screenings, wie sie beispielsweise von Universitäten wie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg angeboten werden.

Förderung auch in der Schule nötig

Spätestens in der Schule muss daher auch eine Förderung für hochbegabte Kinder erfolgen. Erkennen allein reicht da nicht, denn zu schnell sind hochbegabte Kinder frustriert, gelangweilt, suchen Ersatz, indem sie den Klassenclown geben, oder ziehen sich im schlimmsten Fall komplett zurück. Der Ruf nach mehr Lehrern und vor allem einer besseren Ausbildung der Lehrer gilt auch hier. Eltern können zumindest vereinzelt auf Angebote außerhalb der Schule zurückgreifen, die unterstützend einwirken. Das ist jedoch keine dauerhafte Lösung.

Krankenkassen zahlen Intelligenztest nicht

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen viele Kosten, welche die kindliche Gesundheit betreffen. Dazu gehören eine Vielzahl an speziellen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche, von der STIKO empfohlene Impfungen oder auch Präventionsangebote und Bonusprogramme im Bereich Ernährung und Sport. Wollen Eltern allerdings einen Intelligenztest bei ihrem Kind durchführen lassen, müssen sie die Kosten von ca. 50 bis 100 Euro selbst tragen. Die staatlichen Versicherer beteiligen sich nicht, obwohl eine unerkannte oder ungeförderte Hochbegabung durchaus ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben kann: Verhaltensauffälligkeiten oder auch psychische Erkrankungen wie eine kindliche Depression können die Folge sein. Allerdings müssen die Kassen für gesetzlich versicherte Kinder eine psychologische Behandlung finanzieren, sofern eine Erkrankung der Psyche diagnostiziert wird und (Be-)Handlungsbedarf besteht.

2017-07-05T08:56:58+00:00 23. Mai 2017|Allgemein|