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Hilfe per Knopfdruck – Stiftung Warentest überprüfte Hausnotrufdienste

Zu Hause in den eigenen vier Wänden – und das möglichst lang! So lautet der primäre Wunsch vieler Menschen, wenn sie alt werden. Doch aufgrund verschiedener Gebrechen und der immer größer werdenden Gefahr eines Sturzes, ist das oft nicht mehr möglich. Viele entscheiden sich an dieser Stelle für einen Hausnotrufdienst, der per Knopfdruck alarmiert wird. Die Stiftung Warentest hat neun gemeinnützige und private Dienste unter die Lupe genommen, mit dem Ergebnis: Es gibt noch viel Verbesserungspotenzial!

Getestete Arten von Hausnotrufgeräten

Ein Großteil der getesteten Anbieter bietet die klassischen Hausnotrufgeräte an. Diese sind in Form einer Kette oder eines Armbandes erhältlich, welche mit einem Notfallknopf versehen sind. Bei Betätigung des Knopfes erhält die Basisstation ein Funksignal und verbindet sich mit der Notrufzentrale. Die Mitarbeiter dort erhalten bei Entgegennahme des Notrufs sämtliche relevante Daten zum Kunden. Mittels Mikrofon und Lautsprecher kann dieser über seinen Zustand informieren. Neuere Systeme ermöglichen zudem die Auslösung eines Notrufes außerhalb der eigenen Wohnung. So stellt der getestete Anbieter “Libify” neben Armband und Basisstation auch noch ein Mobilteil zur Verfügung. Beim ebenfalls getesteten Anbieter “Zembro” ersetzt das Armband die Basisstation und stellt selbstständig eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale oder zu den Angehörigen her. Letztere müssen vorher eine entsprechende App auf ihrem Smartphone installiert haben.

Die Noten reichen von befriedigend bis mangelhaft

Von der Stiftung Warentest wurden neun Hausnotrufdienste auf gemeinnütziger und privater Basis getestet, darunter auch der Malteser Hilfsdienst und das Deutsche Rote Kreuz. Dabei führten Testpersonen Notrufe aus, bei denen es um kleinere gesundheitliche Angelegenheiten ging. Besonderes Augenmerk galt dabei der Reaktionszeit und Kompetenz der Dienste im Falle eines Notrufes. Acht der neun Dienstleister konnten Hilfe leisten, lediglich ein privater Anbieter versagte in diesem Punkt. Die Bearbeitung der Notrufe wurde von vier Diensten gut ausgeführt. Bei einem Dienst erfolgte zwar eine Benachrichtigung der Angehörigen auf ihrem Smartphone, doch die Notrufzentrale konnte nicht erreicht werden. Ein anderes Mal wurde diese erst nach circa zwei Minuten erreicht. Auch im Vorfeld wurden die Anbieter bereits auf Herz und Nieren geprüft: Beratung und Kundenservice, Inbetriebnahme der Geräte, sowie Verträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen waren Teil der Bewertung durch die Stiftung Warentest. Die Ergebnisse hier sind jedoch ernüchternd: Bei keinem Dienstleister kann das Angebot ohne Einschränkung empfohlen werden.

Schwachpunkte in mehreren Bereichen

Die Notrufzentralen punkten durch ihre Schnelligkeit. Nachfragen zur Situation und zu den akuten Bedürfnissen der Notrufenden waren jedoch eine Seltenheit. Eine mangelhafte Gesprächslautstärke und wenig einfühlsame Kommunikation sind weitere Punkte, die noch einer Verbesserung benötigen. Eine ausreichende Qualitätsprüfung der Sprechverbindung durch die Mitarbeiter der Notrufzentrale lag oftmals nicht vor. Was die Verträge und Allgemeinen Geschäftsbedingungen betrifft, so konnte die Stiftung Warentest erhebliche Mängel ausmachen: Es fehlte teilweise an Informationen zum Widerruf oder die Widerrufsbelehrungen waren fehlerhaft. Bei mehreren Dienstleistern wurden zudem unzulässige Klauseln in Bezug auf den Haftungsausschluss festgestellt.

Kostenübernahme durch Pflegeversicherung

Im Test zeigten sich Kosten für Selbstzahler von etwa 23 bis 39 Euro. In einigen Fällen fielen einmalige Anschlussgebühren von bis zu 60 Euro an. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten anteilig: Monatliche Gebühren werden mit maximal 23 Euro finanziell unterstützt, Anschlussgebühren werden pauschal mit 10,49 Euro bezuschusst. Bedingung für eine Bezuschussung ist allerdings, dass die Person einen eingetragenen Pflegegrad ab der Stufe eins vorweist, aufgrunddessen die permanente Gefahr eines Notfalls besteht. Zudem werden nur Personen bezuschusst, welche die meiste Zeit des Tages allein sind. Einige Dienste bieten neben dem Notrufknopf noch weitere Zusatzleistungen an, deren Kosten jedoch nicht von der Pflegekasse übernommen werden. Sie umfassen zum Beispiel eine Schlüsselhinterlegung, die tägliche Bestätigung mittels “Mir geht es gut -Taste”, Kontaktmatten in der Wohnung, die bei Nichtbetätigung den Notrufdienst alarmieren, tragbare Geräte mit Fallsensoren und Sturzmelder, diverse Fahrdienste und Essen auf Rädern. (jw)

Von |2018-11-14T16:43:40+00:0014. November 2018|Testberichte, Vorsorge|