Heilmittelkatalog für Zahnärzte: Physiotherapeuten profitieren

Am 1. Juli 2017 tritt wie geplant die neue Heilmittel-Richtlinie für Zahnärzte in Kraft. Erstmals ist damit ein Heilmittelkatalog für Zahnärzte bindend festgeschrieben. Zuletzt hatten noch längere Diskussionen zwischen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) über das entsprechende Verordnungsformular stattgefunden. Eine Einigung wurde aber noch rechtzeitig erreicht.

Umfangreicher Leistungskatalog

Aus dem neuen Muster der vertragszahnärztlichen Heilmittelverordnung (PDF) wird das Vorgehen deutlich. Die jeweiligen Krankheitsbilder erhalten einen sogenannten Indikationsschlüssel, aus dem sich die wählbaren Heilmittel bestimmen. Bei einer Funktions- oder Heilungsstörung der anatomisch angrenzenden Mund- und Kieferbereiche, kann der Zahnarzt aus den konkret aufgeführten Heilmitteln die passende Physiotherapie auswählen. Je nach Krankheitsbild kann der Zahnarzt nun beispielsweise allgemeine Krankengymnastik bei Bewegungsstörungen oder eine manuelle Lymphdrainage zur Ableitung von Gewebeflüssigkeit verschreiben. Im Heilmittelkatalog sind zudem optionale und ergänzende Heilmittel aufgeführt, sodass Zahnärzte auch kombinierte Therapien verschreiben und somit besser auf die individuellen Bedürfnisse und Krankheitsbilder reagieren können.

Diese Heilmittel kann der Zahnarzt verordnen

Bei einer Craniomandibulären Dysfunktion (kurz CMD) sind die typischen Symptome das Zähneknirschen, knacken der Kiefergelenke bis hin zu Lockerungen und Verlust der Zähne. Hier kann der Zahnarzt ab Juli 2017, je nach Ausprägung der Erkrankung, vorrangig Krankengym­nastik bzw. manuelle Therapie und als ergänzendes Heilmittel Kälte-, Wärme- oder Elektrotherapie bis zu 6 mal je Verordnung verschreiben. Sprach- und Schluckstörungen, z.B. nach einer Tumor-Entfernung oder bei einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, können dann von einem Logopäden mittels Sprech- und Sprachtherapie auf Verordnung behandelt werden.

Die Richtlinie stärkt Physiotherapeuten

Der Heilmittelkatalog nimmt den Physiotherapeuten nun endlich einige Unsicherheiten. Unter den alten Regelungen, die jede Krankenkasse einzeln mit den Zahnärzten festgelegt hat, kam es immer wieder zu Rechnungskürzungen bei der Physiotherapie. Mit der neuen Richtlinie ist eine klare rechtliche Vorgabe geschaffen, die dafür sorgt, dass diese Unsicherheit entfällt. Verschriebene, im Heilmittelkatalog für das entsprechende Krankheitsbild zulässige Heilmittel, einschließlich einer Physiotherapie, werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Damit wird auch im Bereich der zahngesundheitlichen Versorgung die Physiotherapie gestärkt. Wer privat versichert ist oder zusätzlich eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen hat, sollte sich vor der Zahnbehandlung mit dem Anbieter in Verbindung setzen und die komplette Erstattung beziehungsweise die restliche Kostenübernahme der Zuzahlungsgebühren klären.

2017-06-19T09:51:28+00:00 16. Juni 2017|Allgemein|