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GKV-Versicherte Selbstständige machen Schulden in Milliardenhöhe

Für Selbstständige ist der Krankenkassenbeitrag oft eine hohe Bürde, vor allem, wenn es sich um Freiberufler mit verhältnismäßig geringem Einkommen (Infografik) handelt. Die Rückstände in den Beiträgen von Selbstzahlern in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) betrugen im Jahr 2017 insgesamt 6,15 Milliarden Euro. Dies ist die Fortsetzung eines Trends, der sich schon in den vergangenen Jahren gezeigt hat. Die Schulden sind beinahe explosionsartig angestiegen. Nun will die Politik die Situation der Selbstständigen verbessern.

Selbstständige mit Beiträgen überfordert

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die GKV für Selbstständige und Existenzgründer oft mit einer hohen finanziellen Belastung einher geht. Häufig sind sie bei der Zahlung ihrer Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung überfordert. 6,15 Milliarden Schulden wurden im abgelaufenen Jahr 2017 angehäuft. Dieser traurige Rekord veranlasst die Politik nun, eine Lösung für diese freiwilligen Selbstzahler zu finden. Viele dieser etwa 1,3 Millionen Mitglieder der freiwilligen Krankenversicherung sind freiberuflich Tätige in Vollzeit. Im Jahr 2016 waren bereits 4,48 Milliarden Schulden auf diese Weise entstanden, im Jahr 2015 waren es 3,26 Milliarden. Der Trend setzt sich also besorgniserregend fort. Selbstständige zahlen bei der GKV die Anteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst. Ihr Mindestbeitrag richtet sich dabei nach einem oft unrealistisch hohen fiktiven Einkommen, das von sehr vielen nicht erreicht wird. Die Beiträge werden jedoch nicht an das tatsächliche Einkommen angepasst, wie es die Krankenkassen bei Angestellten üblicherweise vornehmen.

Schwierige Lage für Selbstständige mit geringem Einkommen

Nur in Härtefällen und bei Existenzgründung gibt es Sonderregelungen. Hier dürfen 1.522,50 Euro Einkommen angenommen werden statt der 2.283,75 Euro, die für alle anderen angenommen werden. Oft wird aber nicht einmal der geringere Wert tatsächlich erreicht. Wer also selbstständig ist und wenig verdient, zahlt unverhältnismäßig hohe Beiträge. Das trifft auf viele Taxifahrer, Selbstständige in kreativen oder technischen Berufen, Tagesmütter, Pflegekräfte und auf Inhaber von Imbissen zu. Oft geht die Hälfte des Einkommens für die Krankenkassenbeiträge drauf. Für geringverdienende Selbstständige in der Krankenversicherung (PDF), so zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK von 2016,  ist die Situation vielfach geradezu prekär.

Koalitionsvertrag sieht niedrigere Mindestbemessungsgrenze vor

Etwa ein Drittel der gesetzlich versicherten Selbstständigen muss demnach mit einem Einkommen von weniger als 800 Euro im Monat auskommen. Diese Zahlen stammen zwar aus dem Jahr 2012, haben sich aber bisher nicht verbessert. Bei diesem Einkommen wird verständlich, dass die Zahlung von durchschnittlich 3.520 Euro an jährlichen Krankenkassengebühren schwierig bis unmöglich ist. So entstehen die enormen Schulden bei den Krankenkassen. Der neue vorläufige Koalitionsvertrag sieht nun eine kleine Entlastung für diese Personengruppe vor und will die Bemessungsgrundlage für die Mindestbeiträge auf 1.150 Euro senken. Gleichzeitig ist jedoch auch eine Altersvorsorgepflicht in der Diskussion, was an anderer Stelle eine Belastung für Selbstständige bedeuten würde. Näheres dazu ist jedoch noch nicht bekannt.

2018-03-15T09:56:25+00:00 28. Februar 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Recht, Versicherung|