Zum ersten Mal sind die Rücklagen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Defizit. Laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wurden in den ersten drei Quartalen 2019 rund 741 Millionen Euro mehr als im Vorjahr ausgegeben. Damit kommen die Kassen dem Wunsch des Gesetzgebers nach einer deut­lichen Reduzierung der Rücklagen nach. 

Gewolltes Defizit soll Sparbremse entgegen wirken 

Werden Rücklagen abgebaut, entsteht ein sogenanntes unechtes Defizit. „Tatsächlich haben die gesetzlichen Krankenkassen aber weiterhin sehr hohe Reserven“, erklärte Gesundheitsminister Spahn Anfang Dezember. Des Weiteren sollen die Beitragsgelder nicht als Sparanlage verwendet werden. Es sei die Pflicht der Kassen, die über besonders hohe Reserven verfügen, ebendiese Rücklagen schrittweise zu reduzieren. Dieser Forderung kamen die gesetz­lichen Krankenkassen nach, indem sie in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 zusätzliche 741 Millionen Euro ausgaben. Erhöht wurden beispiels­weise die Ausgaben für Arznei- und Heilmittel, aber auch für Hochschulambulanz und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung.

Zu hohe Reserven bei den Kassen 

Mit Ende September 2019 beliefen sich die Finanzreserven der Kassen auf rund 20,6 Milliarden Euro. „Im Durchschnitt entspricht dieser Wert einer knappen Monats­ausgabe. Er übersteigt die gesetzlich festgelegte Mindestreserve damit um das Vierfache“, informiert das BMG. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausgaben der GKV um 5,1 Prozent – sie betrugen 2019 187,9 Millionen Euro. Die Einnahmen stiegen hingegen um 3,6 Prozent und damit auf 187,2 Milliarden Euro an – verant­wortlich dafür war unter anderem ein durchschnittlich niedriger Zusatzbeitrag.

Die Finanzentwicklung im Überblick

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten vom ersten bis zum dritten Quartal 2019 ein kleines Defizit. Dieses liegt bei 142 Millio­­nen Euro. Bei den Ersatzkassen fiel der Betrag mit 402 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus. Die Betriebs­krankenkassen (BKKen) sind mit rund 146 Millionen Euro fast gleich auf, während das Defizit bei den Innungskrankenkassen (IKKen) nur 106 Millionen Euro betrug. Dieser Negativsaldo ist weit­gehend auf die Defizite der großen Krankenkasse zurückzuführen. Doch sowohl die Knappschaft als auch die Landwirtschaft­liche Kran­ken­ver­siche­rung verzeichneten Einnahmenüberschüsse.

Diese Veränderung gab es bei den Ausgaben

Gemäß dem BMG stiegen die Leistungsausgaben im Zuge der ersten neun Monate des Jahrs 2019 bei den Krankenkassen um 5,4 Prozent, während die Verwaltungs­kosten um 0,5 Prozent anstiegen. Allerdings wies das Ministerium gleichzeitig darauf hin, dass es sich bei den Werten noch um Schätzung handelt. Außerdem werden sie von Ver­pflichtungsbuchungen beeinflusst. Dies liegt daran, dass die endgültigen Abrechnungsdaten noch nicht vorhanden sind. Die Aufwendungen für die Kranken­behandlung stiegen zwischen dem ersten und dritten Quartal moderat, also um 3,4 Prozent, an. Die Arznei­mittelausgaben für diesen Zeitraum belaufen sich auf 5,6 Prozent. Wie das Gesamtjahr 2019 finanziell dann endgültig ausgegesehen hat, werden die vorläufigen Finanz­ergebnisse Anfang März 2020 zeigen.