Die osteopathische Behandlung leistet einen unverzichtbaren Beitrag bei der medizinischen Therapie von Funktionsstörungen bei Patientinnen und Patienten. In der ersten Juniwoche fand in Leipzig die 92. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) statt. Sie fasste einen wichtigen Beschluss bezüglich der Ausbildung und Ausübung der Behandlungsmethode mit den Händen in Deutschland.

Sicherheit und Qualität zum Schutz von Patienten

Alle 16 Gesundheitsminister sprachen sich auf der 92. GMK dafür aus, die derzeit fehlende Rechtssicherheit im Bereich der osteopathischen Medizin zu beseitigen. Es soll ein Gesetz verabschiedet werden, welches bundeseinheitliche Kriterien für die Ausbildung zum Osteopathen festschreibt. Wichtige Kriterien sind einerseits die Dauer, die Qualität und die Inhalte einer solchen Ausbildung. Zum anderen geht es um die unbedingte Gewährleistung einer anspruchsvollen Prüfung am Ende des Ausbildungsweges sowie der anschließenden Verpflichtung zu stetiger Fort- und Weiterbildung.

Für Patienten werden mit dem neuen Gesetz osteopathische Angebote endlich transparent: Sie können sich darauf verlassen, dass zukünftig jeder osteopathische Mediziner nicht nur einen kurzen Wochenend-Lehrgang durchlaufen hat, sondern während eines mehrjährigen Bildungsweges ein fundiertes Wissen der Osteopathie erwarb. Dieses befähigt diesen dann zur Durchführung qualitativ hochwertiger osteopathischer Behandlungen, die ein Patient mit gerechtfertigtem Vertrauen nutzen kann. Die Berufsbezeichnung Osteopath wird dadurch geschützt.

Dies ist auch im Interesse und eines der wesentlichen Ziele des Verbandes der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD e.V.). Als einer der Berufsverbände vertritt er Therapeuten, welche die Osteopathie als Behandlungsmethode anwenden. Der VOD setzt sich schon seit langem für bundesweit einheitliche Standards für die Berufs­ausbildung ein. Kennzeichnend für die Osteopathen in diesem Verband ist der hohe Qualitätsanspruch und deren Sicherung – die vier- bis fünfjährige Ausbildung mit einem Mindestumfang an 1.350 Stunden kann dies gewährleisten. Laut dem VOD ist er nicht nur der älteste, sondern auch der größte Berufsverband der Osteopathen in ganz Deutschland und betreut bundesweit ca. 4.600 Mitglieder. Auch auf internationaler Ebene vertritt er die deutschen Osteopathen und arbeitet unter anderem an Standards für die osteopathische Ausbildung innerhalb Europas mit.

Stärkung der ganzheitlichen Medizin?

Seit 2012 gehört die Osteopathie zu den Krankenkassen-Leistungen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Kassen unterstützen immer stärker den Ansatz der ganzheitlichen Betrachtung von Patienten, die den Menschen als Ganzes sieht und nicht nur seine Krankheits­symptome behandelt. Die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht: Laut dem Umfrage-Institut FORSA fanden zuletzt in 2018 mehr als zwölf Millionen Menschen den Weg in eine osteopathische Praxis.

Eine weitere, bei vielen Patienten sehr beliebte ganzheitliche Methode ist die Homöopathie, deren Behandlungen bzw. Kosten für Medikamente ebenfalls viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen. Immer wieder wird öffentlich darum gestritten, ob diese Methode überhaupt wirksam ist. Das Hauptargument vieler Gegner ist, dass die verschiedenen Darreichungsformen der Medikamente, wie Globuli oder Tinkturen, keinerlei Wirkstoffe enthielten und daher nur Humbug seien.

Dem widerspricht der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V., der die Heilpraktiker, die auf klassisch homöopathische Weise therapieren, als Berufsverband vereint. Auf der Internetseite wird ausführlich über die Funktionsweise und Wirkung der alternativen Heilmethode informiert. Interessenten und Patienten können sich zudem selbst ein Bild machen, wenn sie sich mit den wissenschaftlichen Forschungs­ergebnissen näher befassen. Dafür finden sie auf dem Portal eine Auflistung verschiedener Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen sollen. Weitere Angebote bestehen darin, Erfahrungsberichte von Patienten nachzulesen bzw. anzuschauen oder nach Therapeuten in der unmittelbaren Umgebung zu suchen.

BGM fördert modernes Gesundheitssystem

Das Bundesgesundheitsministerium (BGM) mit Jens Spahn an der Spitze, zeichnet sich in seinem Handeln durch eine klare Fokussierung aus: Er möchte unser Gesundheitssystem leistungsfähiger gestalten. Er ist auf dem richtigen Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Die Hauptsäulen, auf denen sich eine Modernisierung stützen soll, sind die evidenzbasierte Medizin und die ganzheitliche Betrachtung des Patienten. Ganz in diesem Sinne wurde der Beschluss der GMK zur Osteopathie gefasst: Eine Stärkung der Rechtssicherheit und des Patientenschutzes im Bereich osteopathischer Medizin ist nunmehr absehbar. Patientinnen und Patienten können berechtigt darauf hoffen, dass die teilweise eher technisch orientierte Schulmedizin weiter durch alternative medizinische Behandlungsmethoden ergänzt wird und ihnen damit immer mehr zugute kommen kann.