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Gesundheits-App „Vivy“: 2 private und 14 gesetzliche Versicherer an E-Gesundheitsakte beteiligt

Was von staatlicher Seite mit Gründung der Gematik schon vor Jahren für alle Versicherten geplant war, ist indes seit 2 Wochen für Millionen von Patienten verschiedener Krankenversicherungen in Deutschland Realität: Seit Mitte September können sie ihre Daten mittels einer Gesundheits-App einsehen und verwalten. Vivy, so der Name der App, kann Laborwerte, Röntgenbilder, Untersuchungsbefunde und andere Daten verwalten. 14 gesetzliche und zwei private Versicherer bieten nunmehr 13,5 Millionen Menschen diesen kostenlosen Service an.

Alles auf einen Blick in der App

Die Vorteile der als Medizinprodukt zugelassenen App sind schnell genannt: Sie kann an Vorsorge- und Impftermine erinnern oder Impfpass, Mutterpass und Überweisungen ersetzen und gleichzeitig an den Fitnesstracker angebunden werden. Daten können mit Ärzten geteilt werden, so dass jeder neue behandelnde Arzt sofort alle Fakten kennt. Neben doppelten Untersuchungen können die Wechselwirkungen durch von verschiedenen Ärzten verschriebene Arzneimittel vermieden werden. Die App, die ein Pilotprojekt in Deutschland ist, soll gleichzeitig für mehr Transparenz bei Ärzten wie auch Patienten sorgen. Vivy startete zunächst für Patienten der Barmenia und Allianz Private Krankenversicherung wie auch für die DAK Gesundheit, IKK classic, IKK Nord, IKK Südwest und zehn Betriebskrankenkassen. Ab Februar 2019 soll sie auch für die Versicherten der privaten Gothaer Krankenversicherung verfügbar sein.

Datensicherheit von Vivy wird kritisiert

Ob die elektronische Gesundheitsakte (eGA) der Vivy GmbH wirklich sicher ist, wird von manchen Skeptikern angezweifelt. Das Berliner Unternehmen hat solche Vorwürfe zurückgewiesen: Die Daten sollen vollkommen sicher sein. Auch das Zertifikat des TÜV Rheinland bestätigt Vivy als sichere Plattform. Weder die Vivy GmbH, noch der IT- Dienstleister oder die Krankenkassen haben nach Angaben der Verantwortlichen Zugriff auf die Daten. Jede Übertragung von Daten ist mehrfach und Ende-zu-Ende verschlüsselt. Den Schlüssel dazu hat nur der jeweilige Patient selbst. Er entscheidet auch, mit wem die Daten letztlich geteilt werden.

Die Betreiber der App verweisen überdies darauf, dass Millionen von Menschen tagtäglich ihren Smartphones vertrauliche Daten anvertrauen und zum Beispiel ihre Bankgeschäfte über Apps abwickeln. Vivy versichert, dass die Gesundheitsdaten ähnlichen Sicherheitsstandards unterliegen und dass die Qualität der Verschlüsse­lungs­mechanismen sowie technischen Lösungen stets geprüft wird. Die Berliner geben an, Analysetools nur in wenigen Fällen und nur für die Erhebung technischer Informationen genutzt zu haben. Die Anzahl der verwendeten Tools soll dabei auf das notwendige Maß begrenzt werden, so dass keine unnötigen Sicherheitslücken entstehen können. Den Vorwurf, Vivy gebe Daten weiter, um sich zu finanzieren, wurde als haltlos zurückgewiesen.

Bald elektronische Patientenakte für alle?

Ab 2021 soll ein ähnlicher Dienst für alle Versicherten in Deutschland verfügbar sein, plant Gesundheitsminister Spahn. Seit längerem testen andere Krankenkassen verschiedene Modelle. So testet die AOK Nordost seit November 2017 in Mecklenburg-Vorpommern und seit Januar 2018 in Berlin mit insgesamt ca. 120.000 Patienten ihre Variante einer eGA. Die Techniker startete  mit TK-Safe im Frühjahr 2018 ebenfalls ein eigenes Projekt. Beide elektronischen Patientenakten (ePA) ermöglichen jeweils die Vernetzung von Haus- und Fachärzten mit Krankenhäusern und unterstützen u.a. dass Aufnahme- und Entlassmanagement in Krankenhäusern. Ähnlich wie aktuell bei der Vivy-App, können Dokumente hochgeladen und gespeichert sowie selbst erhobene Messwerte aufgenommen werden.

Ursprünglich war zur elektronischen Speicherung der Patientendaten die elektronische Gesundheitskarte vorgesehen. Bislang scheiterte das Vorhaben der Gematik für eine zentrale Lösung zur Digitalisierung der Gesundheitsdaten aller Krankenversicherten. Die beteiligten Institutionen und Verbände sind sich bei vielen Fragen uneins und konnten noch keine einheitliche Lösung präsentieren. (kt)

2018-10-01T14:28:24+00:001. Oktober 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Versicherung|