Ab 2021 ändert sich im Bereich der Krankmeldung für gesetzlich Versicherte einiges. Denn der beliebte „gelbe Schein“, der bisher die Arbeitsunfähigkeit medizinisch bescheinigte, ist dann Geschichte. So will es das Kabinett noch im September be­schließen und eine digitale Lösung für den AU-Schein finden. Erste Testphasen sind laut Bundesgesundheitsminister bereits angelaufen.

Digitalisierung auf dem Vormarsch

Die Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitswesen keinen Halt. Nach dem 2015 bereits die elektronische Gesundheitskarte eingeführt wurde, will die Bundes­regierung nun noch einen Schritt weitergehen: Krankmeldungen sollen in Zukunft für gesetzlich Versicherte in Form einer elektronischen Bescheinigung übermittelt werden. Die Papiervariante des „gelben Scheins” wird damit abgeschafft. Das sieht auf jeden Fall ein Gesetzesentwurf vor, den Wirtschaftsminister Altmaier dem Kabinett zum Beschluss vorgelegt hat. Wer sich aktuell bei seinem Arzt krank­schreiben lässt, bekommt eine sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Schein). Eine Krankmeldung in Papierform, die aus mehreren Teilen besteht und einerseits zum Arbeitgeber geschickt werden muss, aber auch zur Krankenkasse. Der dritte Teil verbleibt beim Krankgeschriebenen.

Testphase bereits angelaufen

Die Techniker Krankenkasse ist gerade in der Testphase für diese digitale Krank­meldung. Läuft alles gut, wird sie ab 2021 für alle gesetzlich Versicherten gelten. Danach müssen die Krankenkassen den Arbeitgeber über eine Krankmeldung elektronisch informieren und den Beginn der Krank­meldung sowie die Dauer der Arbeitsunfähigkeit benennen. Weitere Eckdaten wie der Grund der Erkrankung dürfen jedoch, ähnlich wie beim gelben Schein, nicht ausgetauscht werden.

Auch Gesundheitsminister Spahn hat diese Neuregelung bereits auf den Weg gebracht und arbeitet daran, dass die Abschaffung pünktlich zum Januar 2021 erfolgen kann. Wie die digitale Übermittlung vonstatten gehen soll, prüfen daher momentan das Bundesgesundheitsministerium und die Techniker Krankenkasse.

E-Health muss weiter ausgebaut werden

Auch wenn die digitale Übermittlung der Krankmeldungen durchaus ein erster guter Schritt ist, sind die Spitzenverbände der Wirtschaft noch nicht ganz zufrieden. Sie wünschen sich, dass noch mehr Bürokratie wegfällt und eine deutliche Ent­lastung für die Arbeitgeber entsteht. Die Digitalisierung soll es richten.

Im Gesundheitswesen wird akribisch an weiteren Maßnahmen gearbeitet. In welchem Umfang diese auch eine En­tlastung für die Arbeitgeber bedeuten, muss sich zeigen. Fakt ist, dass die Digitalisierung in Deutschland aktuell noch in den Kinderschuhen steckt und das Land weit hinter anderen Ländern liegt. In Schweden wird E-Health bereits seit längerem staatlich gefördert, wobei Telemedizin und IT-Beratung im Mittelpunkt stehen. Mittlerweile sind mehr als 50% der Akut­krankenhäuser mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens digital vernetzt. Hierzulande gilt es nun, weiterhin Schwung aufzunehmen, damit der Anschluss nicht verloren geht und die richtigen Schritte in Richtung Zukunft erfolgen können.