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Gerichtsurteil: BU muss trotz weiterer Berufstätigkeit zahlen

Damit eine Versicherung bei einer Berufsunfähigkeit eintritt, muss der Versicherte bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen benötigt die Versicherung einen Nachweis vom Arzt, dass der Patient mehr als sechs Monate auf Grund seiner Krankheit ausfällt. Zum anderen hat sich die Arbeitskraft des Versicherten auf höchstens 50 Prozent reduziert. Wenn der Versicherte trotzdem mehr als 50 Prozent arbeiten will, könnte das zukünftig kein Problem mehr sein. Denn ein Gerichtsurteil bestätigte kürzlich, dass Versicherte berufsunfähig sein können und trotzdem mehr als die Hälfte ihrer Arbeitskraft einbringen.

Weitere Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeit bei weiterem Arbeiten?

Laut einem Nachrichtenportal für Gesundheit und Vorsorge brachte eine angestellte Ärztin diese Änderung ins Rollen. Sie litt an Krebs. Die Ärzte bescheinigten ihr, dass sie ihrer Arbeit nicht weiter nachgehen kann, da die Krankheit zu schwerwiegend war. Zuvor hatte sie eine Krankschreibung verweigert. Ihre Arbeitszeit reduzierte sie nur um 25 Prozent. Die Frage war nun, ob eine Berufsunfähigkeit in diesem Fall ebenfalls vorliegt, obwohl die Versicherte sich nicht krankschreiben lies und damit weiterhin arbeitete.

Bei einem sechsmonatigen Arbeitsausfall, äußert sich das Landesgericht Dortmund, kann ein Versicherter von seiner Berufsunfähigkeitversicherung bestimmte Leistungen wie die BU-Rente und die Beitragsbefreiung verlangen, wenn die Versicherung laut Krankschreibung verpflichtet gewesen wäre, die Leistung abzugeben.

Urteil spricht von „Überobligation“

Das Urteil des BGHs entschied, dass in diesem konkreten Fall der Ärztin trotzdem eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Damit wurde das Urteil für viele weitere Fälle herangezogen und damit richtungsweisend. Der BGH definierte dabei den Begriff „Überobligation“: „Übt der Versicherte seine bisherige Tätigkeit trotz behaupteter mindestens 50prozentiger Berufsunfähigkeit in einem diesen Prozentsatz übersteigenden Umfang aus, ist Berufsunfähigkeit dennoch anzunehmen, wenn dies auf einem im Verhältnis zum Versicherer überobligationsmäßigen Verhalten beruht“ (BGH, 11.10.2000, VersR 2001, 89). Möchte der Patient also weiterhin arbeiten, ist das kein Problem, da er das durch seine schwere Erkrankung nicht muss.

Voraussetzungen für den Abschluss einer BU

Fazit des BGH

Fazit: Die Überobligation liegt damit vor. Kann der Patient laut Auskunft der Ärzte in Zukunft immer weniger arbeiten, sodass seine Arbeitskraft auf unter 50 Prozent fallen wird, kann der Betroffene auch noch zu 75 Prozent oder sogar 100 Prozent freiwillig arbeiten. In dem verhandelten Fall hat die BU-Versicherung im Nachhinein noch 2013 Leistungen an die Ärztin gezahlt.

2017-10-16T09:38:43+00:00 29. Oktober 2014|Recht, Versicherung|