Eine wissenschaftliche Langzeit-Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass bereits eine Stunde mehr Arbeit in der Woche das Wohlbefinden eines Arbeitnehmers beeinflussen kann. Forscher an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg haben gemeinsam eine Studie veröffentlicht, laut der bereits die Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde Auswirkungen haben kann. Die Studie hat die Selbsteinschätzung der Arbeitnehmer unter die Lupe genommen aber auch die Krankheitszeiten erfasst.

Längere Arbeitszeit – schlechtere Gesundheit

Die Forscher aus Halle weisen darauf hin, dass es schwierig ist, einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der längeren Arbeitszeit und den gesundheitlichen Auswirkungen herzustellen. Sie betonen zudem, dass es fast unmöglich ist, auch den Faktor der Motivation und der Stimmung der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Daher beschränkten sich die Forscher auf die Analyse von Langzeitdaten. Sie untersuchten Daten von 1985 bis 2014. In mehr als 12.000 Haushalten wurden die Menschen nach ihren Lebensumständen befragt. So fanden die Forscher heraus, dass bereits bei einem Anstieg der Wochenarbeitszeit um nur eine Stunde die Befragten ihr Befinden selbst um 2% schlechter einschätzten. Dazu kam ein Anstieg der Arztbesuche um 13%. Die Studie hat zudem ergeben, dass die Auswirkungen bei Familien mit kleinen Kindern stärker sind. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass diese Familien privat deutlich mehr Aufgaben in einem knappen Zeitfenster erledigen müssen. Ein Anstieg der Arbeitszeit generiert bei dieser Personengruppe also stärkeren zeitlichen Druck.

Arbeitszeitdauer hat gesundheitliche Auswirkungen

Es gibt innerhalb Deutschlands erhebliche Unterschiede. So hat sich die wöchentliche Arbeitszeit im öffentlichen Sektor zum Beispiel zwischen 1985 und 1991 von 40 auf 38,5 Stunden reduziert und ist teils später auf 42 Stunden angehoben worden. Solche Schwankungen gab es im Osten Deutschlands nicht. Daher wurden in dieser Studie nur Haushalte aus Westdeutschland untersucht. Über fast 30 Jahre wurden jährlich Daten erhoben. Die Fragen betrafen Einkommen, Lebenssituation, Gesundheit und vieles mehr. Die Studie ist eine der ersten Untersuchungen überhaupt, die den Zusammenhang zwischen Arbeitszeiten und den gesundheitlichen Folgen darlegen will. Generell wurde beobachtet, dass gesündere Menschen länger arbeiten bzw. länger arbeiten können. Den Zusammenhang zwischen Mehrarbeit und Gesundheit zu untersuchen war also das Ziel der Studie. Die negativen Folgen für das Wohlergehen konnten sowohl bei Arbeitnehmern erkannt werden, die 38,5 Stunden in der Woche arbeiten als auch bei Arbeitnehmern, die 42 Stunden in der Woche arbeiten. Generell können die Forscher aus der vorliegenden Studie keine Schlussfolgerungen ableiten, die erkennen lassen, welche Arbeitszeit ideal ist. Sie haben jedoch belegt, dass bereits kleine Veränderungen eine große Wirkung auf das Befinden der Arbeitnehmer haben können. (ak)