Erst Lockdown und Maskenpflicht, jetzt erste Lockerungen – die SARS-CoV-2-Pandemie bestimmt nachwievor das Tagesgeschehen. Auch wenn Wissenschaftler und Ärzte inzwischen deutlich mehr über den Erreger und dessen Folgen wissen, kommen ständig neue Erkenntnisse hinzu oder verfestigen sich, dank der weltweiten Forschungs­ge­mein­schaft. Nicht immer sind die Ergebnisse positiv. Eine der großen Hoffnungen besteht nun darin, so schnell wie möglich einen Impfstoff zu finden.

Weltweites Wettrennen bei Impfstoffsuche

Während auf allen Kontinenten immer mehr Staaten versuchen, einen Weg zurück in die Normalität zu finden, wird laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktuell in 124 Projekten an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht (Stand 22.05.2020). Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (vfa) spricht sogar von insgesamt 138 Impfstoff-Projekten (Stand 23.05.2020). Erstaunlich ist, dass heute offenbar in wenigen Monaten möglich ist, wozu Pharmaunternehmen früher gut 15 bis 20 Jahre gebraucht haben: Von der ersten Analyse des Krankheits­erre­gers bis zur Zulassung eines Wirkstoffes zur Impfung. Nachdem das Ärzteblatt Mitte März über die erste Impfstoff­studie aus Seattle (USA) berichtete, gibt es inzwischen Studien in den Test­pha­sen I bis III an freiwilligen Probanden. Wann letzt­lich genau mit einem wirksamen Impfstoff zu rechnen ist, bleibt jedoch weiterhin ungewiss.

Studie zu Todesursachen am Universitätsspital Basel

Mit der Corona-Pandemie sind etliche Projekte ins Leben gerufen worden, die fach­über­greifend forschen. Eine wichtige Studienquelle sind Autopsien. Die Verstor­benen liefern jede Menge Informationen und unter dem Mikroskop werden die Schäden, die das Coronavirus anrichtet sowie die eigentliche Todes­ur­sache sichtbar. Professor Alexandar Tzankov, Pathologe am Universitätsspital Basel (USB), begab sich schon frühzeitig auf Spurensuche. Er obduzierte 21 Patienten, die wegen der Covid-19-Erkrankung im USB behandelt wurden und verstarben, die Resultate wurden kürzlich veröffent­licht (2020 doi:10.1111/his.14134). Gemeinsam hatten die vor­wiegend übergewichtigen männ­lichen Patienten, dass sie allesamt an Hypertonie, also Bluthochdruck, litten. Zu den wei­te­ren Vorschädigungen gehörte bei einem Drittel der Verstorbenen unter anderem auch Diabetes sowie Herzerkrankungen.

Erstaunlich ist die Erkenntnis, dass die häufigste Todesursache nicht die Lungen­ent­zündung selbst war, sondern ein Atemversagen durch geschädigte Bläschen und Kapillargefässe der Lungen. Dadurch war die Zirkulation innerhalb des Gewebes und damit die Sauerstoffaufnahme gestört. Begleitend traten sehr oft kleinste Blut­ge­rinnsel auf, und das, obwohl die Patienten gerinnungshemmende Mittel erhielten. Speziell diese Erfahrungen bestätigen inzwischen auch zahlreiche weitere Publi­kationen (2020; DOI: 10.1016/­j.jacc.2020.04.031 und 2020; doi: 10.1016/S0140-6736(20)30937-5).

Hoffnung auf Blutplasma am Baseler Uni-Spital

Neben der Suche nach einer immunsystemstärkenden Impfung, den Todesursachen oder den Risikofaktoren ist auch die Transfu­sions­medizin beteiligt, wie die For­schung zu Corona am Universitätsspital Basel (USB) zeigt.

An der Schweizer Einrichtung wurde Ende März 2020 das Blutplasma eines Patienten, der an Covid-19 erkrankt war und gesund wurde, zwei ebenfalls an Covid-19 erkrank­ten Patienten über eine Transfusion zugeführt. Bis Anfang Mai stieg die Zahl der Patienten in Basel, die auf diese Art mit einigem Erfolg behandelt wurden, auf neun an. Diese als passive Immunisierung bekannte Therapie, so der leitende Chefarzt Prof. Andreas Buser auf dem digitalen Kongresses medArt basel.20, wurde erstmals Ende des 19. Jahrhunderts angewandt. Als gesichert gilt heute die Erkenntnis, dass sich nach dem Durchmachen von Erkrankungen spezielle Ei­weiße als Antikörper im Blutplasma bilden, die eine erneute Ansteckung verhindern. Auch Krankheiten wie z.B. SARS oder Ebola wurden schon mit dieser Methode behandelt, allerdings fiel das Ergebnis nicht eindeutig aus.

Von ärztlicher Seite und der gesamten Forschungsgruppe am USB besteht jedoch die Hoffnung, dass sich der Verlauf und die Schwere der Corona-Erkrankung auf diesem Weg abmildern lassen. Dazu arbeiten neben dem Chefarzt der Infektiologie und Spitalhygiene, Prof. Manuel Battegay, weitere Kliniken und Abtei­lungen des gesamten Universitätsspitals Basel zusammen. Aber ob dieser Behand­lungs­weg über eine ex­pe­ri­men­tellen Therapie im Einzelfall sich auf weitere Patienten über­tra­gen lässt, muss sich erst noch in weiteren Studien in den kommenden Monaten heraus­stellen.