Die ganze Welt steht derzeit im Corona-Bann. Nichts wird mehr herbeigesehnt, als wirksame Mittel, die das Virus oder dessen Effekte mildern oder gar heilen. Im Zuge der fieberhaften Suche nach einem solchen Mittel untersuchen Forscher nun den Einfluss von nicht psycho- aktiv wirkenden Bestand­tei­len der weiblichen Cannabis-Pflanzen auf die Viruserkrankung Covid-19 sowie die Abwehrkräfte im Allgemeinen.

Cannabis als Therapeutikum bei Covid-19?

Dass sich Cannabis als Medizin eignet und eine therapeutische Wirkung hat, wird wohl in der Wissenschaft kaum noch bestritten. Daher scheint es nicht über­ra­schend, dass auch in der aktuellen Lage großes Interesse an dieser natürlichen Heilpflanze besteht.

Vor kurzem beantragte Dr. Mohan Cooray beim kanadischen Gesundheitsministerium Health Canada die Zulassung von klinischen Studien mit Marihuana an Covid-19-Patienten. Der Arzt aus Kanada vertreibt über einen Online-Handel medizinische Produkte aus Hanf, wie getrocknete Blüten, CBD Öl oder vorgedrehte Joints. Dem Cannabinoid Cannabidiol (CBD) werden entzündungshemmende Eigen­schaf­ten zugesprochen. Das hat sich in der Studie zu CBD ⹂Cannabinoids as novel anti-inflammatory drugs” bei Multiple Sklerose längst bestätigt. Könnte CBD somit ein geeignetes Mittel bei einer Covid-9-Infek­tion sein?

Kanadische Forscher: CBD bremst Corona-Virus

Daran wird nun ganz gezielt geforscht. Seit 2015 sammeln Igor und Olga Kovalchuk von der Universität Lethbridge (Alberta, Kanada) weltweit ver­schiedene Varietäten von Cannabis. Sie gewinnen daraus Extrakte und züchten neue Sorten. Die Wissen­schaft­ler konnten bereits in der Vergangenheit die therapeutische Wirkung von Cannabis-Produkten verifizieren und nahmen die Covid-19-Pandemie nun erneut zum Anlass, die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit auf den Prüfstand zu stellen.

Inzwischen sind sie von ihrem Ansatz überzeugt. Es habe sich bereits gezeigt, dass vor allem Extrakte mit einem hohen CBD-Gehalt dabei helfen können, Entzün­dun­gen zu minimieren und dadurch die Viren zu verlangsamen. Offenbar können die Hanf-Extrakte die Rezeptorenspiegel gerade in den für die Infektion relevanten Geweben in Lunge, Mund und Darm gewissermaßen modulieren. Damit verbunden sein könnte auch ein signifikanter Einfluss auf das Immunsystem.

Zum besseren Verständnis vergleicht Kovalchuk eine Gewebezelle mit einem großen Gebäude, das viele Fenster und Türen hat. Cannabinoide schränken den Zugang für die Viren stark ein, dadurch stehen ihnen praktisch weniger Fenster und Türen zur Verfügung, um in das Gebäude – also die Zelle – zu gelangen. Die Zugangs­be­schrän­kung soll bei etwa 70 Prozent liegen. Damit erhöhe sich die Chance der Infizierten deutlich, erfolgreich gegen das Virus anzukämpfen, so die Wissenschaftler. Dafür sollen nun klinische Studien durchgeführt werden.

Online-Umfrage zur Selbstbehandlung mit Cannabis

Doch nicht nur in Kanada untersuchen Wissenschaftler die Wirkung von Cannabis. Hierzulande haben Forschungs­einrichtungen großes Interesse an Personen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind und parallel Cannabis nutzen: Die Forscher wollen wissen, ob sich ein Zusammenhang erkennen lässt zwischen dem gesund­heit­lichen Zustand der Patienten im Laufe der Infektion, während sie Cannabis konsumierten. Dazu hatte Prof. Dr. phil. habil. Gundula Barsch, Professorin der Hoch­schule Merse­burg, eine anonyme Online-Umfrage gestartet. Der erste Teil der Umfrage ihrer Studie „Covid-19 und Cannabiskonsum” ist Anfang April ange­lau­fen, nach 4 Wochen soll ein zweiter Teil folgen.

Einerseits soll die Studie dazu beitragen, Informationen zur Bewältigung der Erkran­kung zu erhalten, da es derzeit noch keine Heilung oder Impfung gibt. Anderer­seits könnte die Umfrage dabei unterstützen, Erkenntnisse zur Abmilderung der Corona-Symptome zu erlangen.

Israelische Studie prüft CBD Wirkung auf Covid-19

Im Ichilov Hospital in Tel Aviv (Israel) steht nicht Cannabis, sondern die nicht süchtig machende Komponente Cannabidiol, ein Hanfextrakt, im Fokus. Der leitende Anästhesist des Krankenhauses, Dr. Barak Cohen, weist im Zusammenhang mit der Studie auch darauf hin, dass die Untersuchungen zur CBD Wirkung an bereits von Covid-19 betroffenen Patienten vorgenommen werden. Die Probanden, die man für die israelische Studie ausgewählt hat, sind von der Infektion eher mäßig betroffen. Durch die Behand­lung mit Cannabidiol erhoffen sich die Mediziner, Entzündungen einzudämmen und so das Virus zu besiegen.