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Experten verlangen neuen Stellenwert der Pflege

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) haben aus diesem Grund den Entwurf einer breit angelegten und strukturellen  Pflegereform vorgelegt. Dr. h.c. Jürgen Gohde, der Vorsitzende des KDA, hat die Dringlichkeit einer grundlegenden Pflegereform klargestellt. Schwerpunkt des neuen Konzeptes muss es sein, dass den Pflegebedürftigen selbständige Lebensführung, dass ihre Würde möglichst lange erhalten bleibt. Jede bisher durchgeführte Reform geht an dieser Zielstellung vorbei. Bisher sei die Situation der pflegebedürftigen Menschen und der Pflegenden kaum verbessert worden. Das KDA plädiert für eine gesellschaftliche Neuorientierung. Nicht nur die Pflegeversicherung ist danach für die Pflege und die beteiligten Menschen zuständig. Die Gesellschaft muss ihre Verantwortung annehmen, die Kommunen müssen die Vorgaben umsetzen. Es darf keine Mängel bei der Versorgung der Pflegebedürftigen geben.

Bedeutung der Pflege muss erkannt werden

Die 25 Experten der Arbeitsgruppe unter der Federführung des KDA und der FES haben ein Positionspapier vorgelegt. Vorrangig ist danach die konsequente Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Es muss darauf hingearbeitet werden, dass ältere Menschen so lange wie möglich in der Mitte der Gesellschaft leben können. Neue Wohnformen müssen verstärkt gefördert werden. Die Pflege sollte auf jeden Fall endlich den ihr zustehenden Stellenwert erhalten, damit die Bedürfnisse in der Infrastruktur und der Gesetzgebung ihren Niederschlag finden.

Würde der Pflegebedürftigen im Mittelpunkt

Wichtig war für die Arbeitsgruppe, dass sich das Leitbild der Pflegebedürftigkeit verändert. Nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die seelischen Befindlichkeiten der Pflegebedürftigen sollen ein wichtiger Teil der Pflege sein. Werden Selbstbestimmung und Würde der Pflegebedürftigen als Kern einer neuen Pflege gesehen, versteht sich die Sorge um das seelische Wohl der Patienten von selbst. Die Unterstützung zu Hause soll Vorrang haben, damit die Unterbringung in einem Heim erst als letzter Ausweg bleibt. Die Struktur der Heime muss aus der Sicht der Experten ebenfalls angepasst werden. Sie müssen sich öffnen, Hilfe und Beratung bieten und sich zu Zentren für ältere Menschen entwickeln. Die Schwachstellen des aktuellen Systems liegen nach Ansicht der Fachleute beim Sozialrecht, das die Pflege eher vernachlässigt.

Personalmangel führt zu unangemessener Pflege

Ein wichtiger Punkt ist das Fehlen von Pflegekräften. Die Situation verschlechtert sich dramatisch. Die Pflegenden können sich oft nicht genug Zeit für ihre Patienten nehmen. Daran aber ist die Qualität in der Pflege festzumachen. Durch den Mangel an qualifiziertem Personal kommt es zu großem Zeitdruck, der negative Auswirkungen sowohl auf die Pflegebedürftigen als auch auf die Pflegenden hat. Die einen werden nicht angemessen versorgt, die anderen geraten in schädliche Stresssituationen.

Schnelles Handeln erforderlich

Die Brisanz des Pflegenotstandes wird auch in einem Interview deutlich, dass Radio Bremen mit dem Vorsitzenden des Bremer Pflegerates führte. Für Gerrit Krause ist die Pflege inzwischen tatsächlich „am Limit“. Der Aufwand wird immer größer, weil die Pflegebedürftigen oft verschiedene Erkrankungen haben. Die Belastung für die Pflegekräfte steigt, die Qualität der Pflege leidet. Auch fehlt die Zeit für die Beratung von Angehörigen. Bald werden massive Probleme bei der Versorgung der Pflegebedürftigen auftreten, weil der Nachwuchs fehlt. „Wir müssen den Beruf Pflege deshalb stärken“, sagt Krause. Auch Severin Schmidt von der FES sieht Handlungsbedarf. Man müsse dafür sorgen, dass „Menschen trotz der demografischen Entwicklung in Würde altern können“.

2017-10-16T09:47:45+00:00 6. August 2013|Gesundheit, Versicherung|