In Deutschland liegt in Bezug auf Medikamentenlieferungen ein Engpass vor. Viele Arzneimittel können über Wochen oder sogar Monate nicht ausgeliefert werden. Sparverträge der Krankenversicherer sollen an diesem Zustand Schuld sein. Derzeit können viele Menschen mit aktuellen Rezepten nicht bedient werden. In vielen Apotheken Deutschlands herrscht nämlich ein Mangel an Arzneimitteln vor, der Unmut bei den Patienten auslöst.

Lieferverzögerungen bei 291 Arzneimitteln

Heute ist es keine Seltenheit mehr, dass die Apotheken nicht alle Medikamente lagernd hat. In der Regel kann sie die Arzneimittel aber binnen eines halben Tages über den Großhandel beschaffen. Doch der Pharmagroßhandel meldet in jüngster Zeit immer häufiger Engpässe. Stand 24. November 2019 kam es bei 291 Medikamenten zu Verzögerungen, die ausschließlich Humanarzneimittel und keine Impfungen umfassen.

Produktionsprobleme als Grund

Als Ursache für die Arzneimittelknappheit werden Probleme bei der Produktion sowie Engpässe bei den Wirkstoffen verantwortlich gemacht. Oft kommt es auch zu einer verspäteten Lieferung der Grundstoffe. Zugeschrieben werden diese Komplikationen der Tatsache, dass viele Produktionsstätten nach China oder Indien verlagert wurden. Aus Einsparungsgründen kommt es in diesen Ländern oft zu gefährlichen Änderungen bei den Herstellungsprozessen. Beim Blutdrucksenker Valsartan führte dies dazu, dass das Medikament mit Nitrosaminen angereichert wurde. Experten sprechen ihm eine krebserregende Wirkung zu. Von den Weiterverarbeitern wurden diese Inhaltsstoffe nicht entdeckt. Denn um sie aufzuspüren, muss gezielt nach ihnen gesucht werden.

Durch Konzentration der Produktion weniger Ausweichmöglichkeiten

Bei den heutigen Produktionsstätten liegt eine erhebliche globale Konzentration vor. Dies hat zur Folge, dass es im Falle eines Herstellerausfalls immer weniger Ausweichmöglichkeiten gibt. So ist es wenig verwunderlich, dass schon kleinere Störungen an Maschinen oder Umbaumaßnahmen zu einem Lieferengpass führen. Doch für das Problem des Medikamentenmangels in Deutschland macht der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. auch den Parallelhandel mit Arzneimittel verantwortlich. Aufgrund des Arznei­mittel­markt­neuordnungsgesetzes (AMNOG) sind viele Medikamente in Deutschland günstiger als in anderen EU-Staaten. Dies führe dazu, dass die stark rabattierten Arzneimittel hierzulande aufgekauft würden. Allerdings sind nicht längst alle Arzneimittel in Deutschland billig. Um auch kostspieligere Produkte für ausländische Anbieter attraktiv zu machen, handelten gesetzliche Krankenkassen (Liste) mit einzelnen Käufern Rabattverträge aus.

Arzneimittelknappheit per Gesetz entgegenwirken

Ein neues Gesetz soll verhindern, dass Medikamente fortan zu allzu niedrigen Preisen angeboten werden. Konkret handelt es sich dabei um das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), das im August 2019 in Kraft trat. Es beinhaltet eine Informationspflicht über Rückrufe sowie Regelungen zum Verbot bestimmter Arzneimittel. Dadurch soll außerdem die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern verbessert werden.