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Effektive Behandlung von Angststörungen durch Hausärzte möglich

Panikstörungen und Agoraphobie („Platzangst“) sind weit verbreitet, beeinträchtigen die Lebensqualität Betroffener erheblich und verursachen hohe Kosten. Bereits bekannt ist, dass die ambulante Primärversorgung, etwa durch einen Hausarzt, das Befinden Betroffener erheblich verbessern kann. Umso erstaunlicher ist es, dass in Deutschland bislang kein entsprechendes Interventionsprogramm existierte. Abhilfe schafft nun ein verhaltenstherapeutisches Expositionstraining der Uniklinik Jena (PDF) auf Basis der „Jena-Paradies-Studie“.

Jena-Paradies-Studie als Grundlage künftiger Therapien

Die Studie der Universitätsklinik Jena wurde zwischen 2012 und 2016 durchgeführt. Ziel der Studie war der Beleg, dass eine begleitende Behandlung von Patienten mit Angststörungen durch ihren geschulten Hausarzt (zu dem Hausarztmodell der gesetzlichen Krankenversicherung) auf Grundlage des „Jena-Paradies Übungsprogramms“ auch längerfristig zu einer deutlichen Verbesserung des Befindens führt als die bisherige Praxis. Die Ergebnisse sprechen für sich: Ganze 34 Prozent der Patienten aus der Gruppe derer, die das Programm absolvierten (Interventionsgruppe), wiesen nach 12 Monaten keine Symptome mehr auf. Zum Vergleich: Bei der Standardbehandlung ohne strukturierten Übungsplan liegt die Erfolgsquote bei etwa 16 Prozent. Ein weiterer Vorteil: Die Patienten der Interventionsgruppe hatten 182 angstfreie Tage – ein Plus von 30 Tagen im Vergleich zur Standardbehandlung.

Einfacher Interventionsplan, effektive Behandlung

Herzstück des neuen Behandlungsansatzes ist ein gestuftes Behandlungsverfahren, ergänzt durch neue, verhaltenstherapeutisch basierte Instrumente. Am Beginn der Behandlung steht die Fortbildung des hausärztlichen Praxisteams, d.h. des Arztes und einer medizinischen Fachangestellten (MFA). In der ersten Behandlungswoche findet ein ausführliches Einführungsgespräch mit dem Patienten statt, in dessen Rahmen der Betroffene in den Übungsplan eingewiesen wird. Der Plan beinhaltet Körperübungen, die dabei helfen sollen, mehr und schneller Kontrolle über körperliche Reaktionen in Angstzuständen zu erlangen. Darüber hinaus soll über Exposition, also die bewusste Konfrontation mit angstauslösenden Elementen, gelernt werden, die Angst zu steuern. Die MFA wird als aktive Begleiterin während des Kurzprogramms vorgestellt. In den folgenden Wochen finden vier Arzt-Termine sowie zehn wöchentliche Telefonkontakte statt. Das insgesamt 23 Wochen dauernde ambulante Programm eignet sich insbesondere für Patienten mit leichten und mittelschweren Angststörungen, die willens und in der Lage sind, sich leitliniengerecht behandeln zu lassen.

Hausarzt wichtigster Partner für Patienten mit Angststörungen

Die intensive Einbindung von Hausarzt und Praxisteam kommt nicht von ungefähr: Einer Studie der Universitätsklinik Freiburg (zur Studienübersicht) zufolge besteht eine massive Unter- und Fehlversorgung für Angstpatienten im ambulanten Bereich. Bis zur richtigen Diagnose und Behandlung vergehen Studien der TU Dresden zufolge im Schnitt 14,7 Jahre. Umso wichtiger ist es, dass Hausärzte von Angststörungen Betroffene frühzeitig erkennen und ihnen schnellstmöglich helfen, ihre Ängste zu kontrollieren. Die Jenaer Studie macht in dieser Hinsicht Mut. Studienleiter Prof. Gensichen sowie teilnehmende Hausärzte bestätigen, dass die Kurzintervention auch langfristig zu positiven Ergebnissen führt und viele Patienten dankbar für die Unterstützung seien.

2017-10-16T11:52:48+00:00 21. Februar 2017|Gesetzlich, Gesundheit, Testberichte, Versicherung|