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Die Überforderung in Pflegehaushalten wächst – Sozialverband VdK berät zu Hilfen für Pflegende

Die Studie „Pflege in den eigenen vier Wänden: Zeitaufwand und Kosten“ der Hans-Böckler-Stiftung hat sich mit der Situation von Haushalten mit Pflegebedürftigen auseinandergesetzt und Gründe für die wachsende Überforderung ausgemacht. Nicht nur die Arbeit, auch das Privatleben leidet zunehmend unter der Situation. Für die von November 2015 bis Juni 2016 durchgeführte Studie zur Pflege in Privathaushalten (PDF) wurden im Ganzen 1024 Pflegehaushalte befragt, wobei die Kontakte durch die Kooperation mit Krankenkassen ermöglicht wurden.

Pflegende stecken oft in allen Bereichen zurück

Zum Zeitpunkt der Befragung galten noch die alten Pflegestufen 0, I, II und III. Seit 1. Januar 2017 gelten jedoch durch die Pflegereform und gemäß dem seit 2016 wirksamen Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) die neu eingesetzten fünf Pflegegrade. Je höher die Pflegestufe (jetzt Pflegegrad), desto größer ist auch die zeitliche und finanzielle Belastung für die Pflegenden. Das führt dazu, dass diese sich häufig beruflich einschränken und entweder nur noch in Teilzeit arbeiten oder die Arbeit gleich ganz aufgeben, um für die pflegebedürftige Person da sein zu können. Von den Befragten arbeiteten 40 Prozent nicht außer Haus, nur 25 Prozent arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung in Vollzeit, rund 30 Prozent hatten zeitgleich einen Teilzeitjob. Die persönliche Belastung und Einschränkung im privaten Bereich ist ein weiterer Faktor, der zur Überforderung führt.

Angehörige und Pflegebedürftige Altersarmut ausgesetzt

Das bedeutet, drei Viertel der Pflegenden verzichten auf ein volles Einkommen und sind damit vermutlich einem höheren Risiko für Altersarmut ausgesetzt. Die soziale Armut ist laut dem Sozialverband VdK Deutschland e.V. ein wachsendes Problem in Deutschland, die neben Kindern und Alleinerziehenden eben vor allem auch ältere Menschen betrifft. Insbesondere im Bereich der Pflege mache sich das laut VdK bemerkbar, auf Seiten der zu Pflegenden genauso wie auf Seiten der pflegenden Familienmitglieder. Immer häufiger sind es die hohen Kosten, die dazu führen, dass Pflegeleistungen nicht beansprucht werden. Angehörige müssen dadurch mitunter mehr leisten, als sie in der Lage sind zu erbringen, was bei Ihnen selbst zu gesundheitlichen Problemen führen (PDF) kann.

Bedürftige lehnen häufig Hilfe von Pflegediensten ab

Viele der Befragten nahmen nur das Pflegegeld in Anspruch, was nicht nur mit dem fehlenden Bedarf erklärt wurde. Viele Pflegebedürftige lehnen es vehement ab, externe Hilfen in Anspruch zu nehmen, wodurch kein ambulanter Pflegedienst eingesetzt werden kann. Pflegende akzeptieren diese Ansicht und begeben sich damit selbst in Überlastung. Es fehlt zudem umfassende Kenntnis über mögliche Hilfen und Angebote in der Pflegezeit für Angehörige. Gerade bildungsfernen Haushalten fehlen die nötigen Informationen, wodurch ein weiteres Ungleichgewicht in der Pflege entsteht. Hier kann der Sozialverband VdK Hilfestellung leisten und umfassend zu allen Fragen rund um die Pflege beraten. Andere sozial orientierte oder karitative Einrichtungen, wie der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) oder die Caritas, stehen ebenso beratend zur Seite.

Rentenpunkte schon ab 10 Stunden Pflege pro Woche

Seit diesem Jahr gibt es durchaus Verbesserungen für pflegende Angehörige, denn deren Rentenan­sprüche haben sich generell geändert. Bereits ab Pflegegrad 2 können bei 10 Stunden Pflege an mindestens 2 Tagen in der Woche Rentenpunkte für die eigene staatliche Rente gesammelt werden, die durch die Pflegeversicherung auf Antrag bezahlt werden. Die Pflegekasse zahlt außerdem Beiträge zur Unfall- und Arbeitslosenversicherung, wenn zusätzlich zur Pflege nicht mehr als 30 Wochenstunden einer beruflichen Tätigkeit nachgegangen wird.

Studie soll bei Evaluierung des PSG II helfen

Die Studie diente als Bestandsaufnahme vor der Pflegereform. Sie soll in der Zukunft als Referenz herangezogen werden, um den Erfolg des PSG II datengestützt belegen zu können. Es soll herausgefunden werden, ob sich die organisatorischen Herausforderungen durch die Gesetzesänderung verringern, ob die Angebote für Beratung und Hilfe stärker genutzt werden und ob die Vollzeit-Erwerbsarbeit und die Aufgaben der Pflege besser vereinbart werden können.

2017-10-13T09:15:11+00:00 4. Juli 2017|Gesetzlich, Testberichte, Versicherung|