Deutscher Pflegekongress 2017 in Berlin: Aktueller Trend zum betreuten Wohnen

Wenn vom 20. bis 22. Juni 2017 der Deutsche Pflegekongress in Berlin stattfindet, wird sich das Who is Who der deutschen Gesundheits- und Pflegebranche die Klinke in die Hand geben: Vertreter aus Politik, Pflegeberufen, Krankenkassen (Weiterführend: Was die staatliche Pflegepflichtversicherung leistet), Forschungseinrichtungen und der Ärzteschaft werden sich ausführlich über die Qualität und Möglichkeiten der nachhaltigen Finanzierung in der Pflege austauschen. Ein immer relevanteres Thema stellen dabei ambulante Wohn- und Betreuungsformen (siehe PDF) jenseits von häuslicher Pflege und Pflegeheim dar. Wie stark dieses Thema für Betroffene und Pflegende von Bedeutung ist, belegen zahlreiche Studien und Pilotprojekte, die über den Tellerrand hinaus blicken.

Betreute Wohnformen verstärkt im Fokus

Gleich zweimal stehen daher alternative Wohn- und Betreuungsprojekte auf dem Deutschen Pflegekongress im Fokus. Mit dabei ist unter anderem das Deutsche Rote Kreuz (DRK), wenn es am 21. Juni um den „Trend zu ambulanten Wohn- und Betreuungssettings“ geht. Als verantwortlicher Referent der „Sorgearbeit der Zukunft” im DRK-Generalsekretariat Berlin wird Andreas Elvers die Gesprächsrunde moderieren. Vor allem die Frage nach dem „Wie?“ und nach den Konsequenzen für alle Beteiligten treibt die Diskutierenden um. Am Nachmittag desselben Tages stehen vor allem WGs und ambulante Betreuungsformen für Demenzkranke im Vordergrund.

Mehrere Generationen unter einem Dach

Die Themen und Diskussionen spiegeln einen allgemeinen Trend im Pflegebereich wider. Während es Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts durchaus auch bei uns normal war, dass Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam unter einem Dach lebten, gehörte es in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts in Deutschland nicht zum alltäglichen Bild. Seit wenigen Jahren testen Kommunen, Verbände und Betroffene alternative Wohn- und Betreuungsformen, etwa in Form von Mehrgenerationenhäusern oder Senioren-WGs: Die Senioren leben so selbstständig wie möglich weiter, müssen dabei aber weder auf fachgerechte Pflege noch auf Gesellschaft verzichten, was sich im Allgemeinen positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt. Gute Erfahrungen damit hat beispielsweise die Stadt Wiesbaden gemacht, sie bietet über ihr Amt für Soziales Beratungsstellen als sozialen Dienst an (als PDF). Einheimische Bürger ab 60 Jahren und deren Angehörige können sich umfassend beraten lassen zum selbständigen Leben im Alter und den Optionen, welche die Landeshauptstadt zur Verfügung stellt.

Generation 50 plus offen für neue Wohnformen

Vor allem die aktuelle Generation 50 plus zeigt sich für alternative betreute Wohnformen offen. Das zumindest ergab eine bereits 2015 veröffentlichte Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach bevorzugen zwei von fünf Befragten eine Senioren-WG oder eine Pflegekraft, die im eigenen Haushalt wohnt. Das betreute Wohnen erscheint für 54 Prozent der über 50-Jährigen eine attraktive Alternative zur klassischen häuslichen Pflege oder zum Pflegeheim. Immer noch 52 Prozent reizt die Idee eines Mehrgenerationenhauses. Häufig sind es vor allem die Jüngeren unter den Senioren, die deutlich offener für alternative Wohnformen sind. Aufgabe von Politik und Pflegewirtschaft wird es in den kommenden Jahren sein, auf die neuen Wünsche und Bedürfnisse mit adäquaten Angeboten zu reagieren.

Krankenkassen stärken alternative Betreuungsformen

Die Kranken- und Pflegekassen leisten bereits heute einen Beitrag zur Förderung der ambulanten Pflege in neuen Wohnkonzepten. So haben sich die Leistungen für WG-Bewohner mit dem Pflegestärkungsgesetz II, das Anfang 2017 in Kraft trat, ein wenig erhöht. Zusätzlich zu den individuellen Pflegesachleistungen erhalten Pflegebedürftige in Senioren-WGs einen Wohngruppenzuschlag in Höhe von 214 Euro monatlich sowie Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 125 Euro pro Monat.

2017-05-19T16:09:35+00:00 19. April 2017|Allgemein|