Deutscher Ethikrat: Diskussion um Maßnahmen zur Eindämmung von Antibiotikaresiztenzen

Antibiotikaresistenzen führen immer häufiger zu Komplikationen und Todesfällen in Europa. Derzeit liegt die geschätzte Zahl der Todesfälle, die darauf zurückzuführen sind, bei rund 25.000 pro Jahr – Tendenz steigend. Schon einfache Infektionen können lebensbedrohlich werden. Grund genug für den Deutschen Ethikrat, sich im November 2016 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung eingehend mit Antibiotikaresistenzen, ihren Ursachen, Folgen und möglichen Gegenmaßnahmen zu beschäftigen.

Keine rein technische Lösung möglich

Im Rahmen der Reihe „Forum Bioethik“ in Berlin wies insbesondere der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar H. Wieler, darauf hin, dass eine rein technische Lösung von Antibiotikaresistenzen nicht möglich sei. Die vielfältigen und sehr anpassungsfähigen Bakterien müssten vielmehr durch ein großes Maßnahmenbündel in Schach gehalten werden. Zu den wichtigsten Aufgaben der Medizin und Forschung zähle daher die Entwicklung neuer Antibiotika und diagnostischer Tests sowie eine Verbesserung der epidemiologischen Überwachung. Darüber hinaus forderte Wieler eine effektivere und bedachtere Nutzung von Antibiotika sowie eine Verbesserung von Präventions- und Hygienemaßnahmen.

Forderung nach besserer Information und Aufklärung

Der Forderung nach mehr Information und Aufklärung schlossen sich die meisten Teilnehmer der Veranstaltung an – sie scheint eine zentrale Maßnahme zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen darzustellen. Konkret fordern die Experten und Wissenschaftler, sowohl Ärzte als auch Patienten umfassend über einen sinnvollen, bedachten Einsatz von Antibiotika zu informieren und Schulungen im Hinblick auf die konsequente Einhaltung von Hygienemaßnahmen, insbesondere in Krankenhäusern, durchzuführen. Auf diese Weise, so die Hoffnung, ließe sich das Risiko einer bakteriellen Infektion verringern – Antibiotika müssten damit gar nicht erst zum Einsatz gelangen. Die Forderung nach Aufklärung betrifft daneben auch die Landwirtschaft: Eine weitere Forderung der Experten beinhaltet eine deutliche Reduzierung von Antibiotika in der Veterinärmedizin.

Antibiotikaschutz effektiv bewahren

Ziel der Gesellschaft muss es sein, den Schutz vor bakteriellen Infektionen mittels Antibiotika für zukünftige Generationen zu bewahren. Dazu gilt es laut Jasper Littmann vom Robert-Koch-Institut, zugleich den Zugang zu wirksamen Antibiotika in allen Teilen der Welt zu verbessern und deren übermäßigen Einsatz zu bekämpfen. Einig sind sich die Experten dahingehend, dass nicht nur ein bewussterer Umgang mit Antibiotika Resistenzen eindämmen könnte, auch positive Anreize zur Entwicklung neuer wirksamer Präparate seien notwendig.

2017-05-19T16:09:38+00:00 6. Februar 2017|Allgemein|