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Deutsche Rentenversicherung: Altbacken statt Jugendlich

In Berlin fand kürzlich im Rahmen eines Kongresses zum Thema Altersvorsorge eine Podiumsdiskussion statt, aus der Professor Rürup mit einem gewissen Grad an Verwirrung heraus kam. Nun stellt man sich in der Politik die Frage: Wie sollen junge Menschen das Thema Rente begreifen, wenn nicht einmal ein alter „Renten-Guru“ alles versteht? Zeit zum Umdenken und dazu, die Rente für junge Menschen wieder attraktiv zu machen?

Rente: Für viele ein Buch mit sieben Siegeln

Das deutsche Rentensystem dürfte eigentlich kein Buch mit sieben Siegeln sein, denn schließlich betrifft das Thema Rente alle Menschen. In den vergangenen 60 Jahren wurde das System 60 mal reformiert, 25 mal davon stark. Einige der Reformen galten als Jahrhundertreformen, so zum Beispiel die Riester-Rente und die Rürup-Rente. Keine hat länger als zwei Legislaturperioden gehalten. Kaum ein Bürger in Deutschland kann anhand seines alljährlichen Rentenbescheids seine tatsächliche Rente berechnen, so Johannes Vogel von der FDP. Er gilt, obwohl er erst 35 Jahre alt ist, in seiner Partei als Experte für Rentenfragen.

Kritiker der gesetzlichen Rentenversicherung schauen gerne nach Dänemark, wo ein Online-Vorsorgekonto (in Dänisch und Englisch) mehr Transparenz bietet. Versicherungsgesellschaften investieren Millionen in InsurTechs, Apps und Innovations-Marken, aber die deutsche Rentenversicherung bietet kaum web-basierte Services für ihre Mitglieder. Dadurch wirkt sie altmodisch und überholt.

Passende Rentenversicherung für die Generation Y

Die sogenannte Generation Y (Video, 1 min) und alle folgenden lassen sich von moderner Kommunikation begeistern. Umfragen haben ergeben, dass die meisten jungen Menschen generell an einer Altersvorsorge interessiert sind. Kaum jemand hat unter den 17-27-Jährigen aber eine tatsächliche Strategie für diese Vorsorge. Das Drei-Säulen-Modell, der Mix aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge, ist nicht vielen bekannt und auch nicht leicht verständlich. Die Generation Y blickt einer Studie zufolge optimistisch in die Zukunft, will das Leben in der Gegenwart genießen und steht privater Vorsorge skeptisch gegenüber.

Betriebliche Altersvorsorge ist den meisten ein Begriff, die Riesterrente hingegen ist nicht allen bekannt. Johannes Vogel sieht hier dringend Handlungsbedarf. Ein Rentensystem, das zukunftsfähig ist, muss auf moderne Lebensläufe mit mehreren Jobwechseln und Freelancer-Tätigkeiten abgestimmt werden. Die vergangenen Rentenreformen wurden eigentlich genau für diese Generation Y gemacht. Leider ist der gewünschte Effekt jedoch nicht erkennbar. Gerade die Generation, die sich nicht mehr wie vorangegangene Generationen auf die staatliche Rente verlassen kann, sorgt nicht genügend vor oder schiebt das Thema vor sich her. Um das Abrutschen in die Altersarmut einer gesamten Generation zu verhindern, steht die Politik in der Pflicht: Es muss besser aufgeklärt und das System transparenter und leichter verständlich gemacht werden.

2018-04-10T15:33:31+00:00 10. April 2018|Gesetzlich, Politik, Versicherung, Vorsorge|