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Demenz: Neue Versorgungskonzepte gesucht

Die Diagnose Demenz stellt nicht nur das Leben Betroffener auf den Kopf. Auch Angehörige und medizinisches Personal müssen sich den damit einhergehenden veränderten Bedürfnissen anpassen. Wie genau das funktionieren kann, versucht derzeit eine Pilotstudie im Kreiskrankenhaus Wolgast zu erkunden.

Pilotstudie erfasst Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen

Das Wolgaster Kreiskrankenhaus ist Schauplatz eines deutschlandweit einmaligen Projektes. Im Rahmen einer Pilotstudie mit Beteiligung des Altersmedizinischen Zentrums Wolgast und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Rostock/Greifswald werden die tatsächlichen Bedürfnisse von an Demenz Erkrankten und deren Angehörigen im Krankenhaus erfasst. Seit dem 1. September 2016 werden Patienten bei stationärer Aufnahme auf kognitive Beeinträchtigung (z.B. aufgrund einer Demenz-Erkrankung) untersucht. Auffällige Patienten erhalten Besuch von speziell qualifizierten Pflegefachkräften, die individuell den Bedarf der Patienten und Angehörigen (z.B. hinsichtlich einer Unterstützung im Alltag, medizinischer Betreuung, Sicherheit) ermitteln und dokumentieren. Ziel ist es, eine individuelle, bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten, die die Patienten auf die Entlassung und Zeit nach dem Krankenhaus zu Hause (siehe PDF) optimal vorbereitet. Interessenten können noch bis zum Jahresende in die Studie aufgenommen werden.

Kognitive Beeinträchtigungen erfordern neue Versorgungskonzepte im Krankenhaus

Was im Grunde banal klingt, kann den Alltag des medizinischen und pflegerischen Personals im Krankenhaus, aber auch die Arbeit der im Alltag Betreuenden sowie den Erfolg der Krankenhausbehandlung maßgeblich beeinflussen. Aus einem einfachen Grund: Besonders an Demenz erkrankte Patienten fühlen sich in der ungewohnten Krankenhausumgebung orientierungslos. In der Folge kann es zu kognitiven Verschlechterungen ebenso wie zu herausfordernden Verhaltensweisen (z.B. nächtliche Unruhe oder Aggressivität) kommen. Diese Effekte erschweren den Umgang mit den betroffenen Patienten, kosten Zeit – und gefährden schlimmstenfalls den Therapieerfolg. Neue Versorgungskonzepte im Krankenhaus können dabei helfen, Betroffene individuell, bedarfsgerecht und effizient zu behandeln und optimal auf die Zeit nach dem Krankenhaus vorzubereiten.

Neues Entlassungsmanagement kann Therapieerfolge sichern oder erhöhen

Damit einher geht auch die Notwendigkeit, ein neues Konzept zur Entlassung und die Betreuung im Anschluss zu erarbeiten. Die am Pilotprojekt beteiligten Mediziner sind sich einig: Nur wenn frühzeitig feststeht, wie ein an Demenz erkrankter Patient optimal behandelt werden kann, verläuft nicht nur der Klinikaufenthalt sondern auch die Genesung zu Hause unter Aufsicht des betreuenden Hausarztes wie gewünscht. Ziel ist ein individueller poststationärer Behandlungsplan (siehe PDF), der es speziell qualifizierten Pflegekräften und dem Hausarzt ermöglichen, nahtlos an die medizinische Versorgung und Pflege im Krankenhaus anzuknüpfen. Einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes soll damit effektiv vorgebeugt werden.

2017-10-16T13:22:47+00:00 29. November 2016|Gesundheit, Lokal, Versicherung|