DAK-Report warnt vor wenig konsequenter Adipositas-Behandlung

Adipositas ist schon längst kein Randphänomen mehr – und wird bis heute viel zu selten konsequent behandelt. Darauf weist der kürzlich veröffentlichte Versorgungsreport Adipositas im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) hin. Lediglich 5,6 Prozent der Betroffenen in der GKV erhalten demnach eine angemessene Therapie.

Geschlossene Behandlungskonzepte nicht vorhanden

Adipositas ist ein Krankheitsbild, das durch eine Einzelmaßnahme in der Regel nicht therapiert werden kann. Wie diverse wissenschaftliche Veröffentlichungen zuvor mahnt auch der betreffende Versorgungsreport, dass ein geschlossenes Behandlungskonzept notwendig ist, um Adipositas-Betroffene sinnvoll und nachhaltig zu behandeln. Allein, der Wille fehlt: So bezeichnet Prof. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, ein solches Angebot als „ökonomisches Harakiri“. Angesichts immer weiter steigender Adipositas-Fälle befürchten die Krankenkassen offenbar ausufernde Ausgaben für eine Krankheit, die allzu oft mit Vorurteilen im Hinblick auf den Lebensstil der Betroffenen verbunden ist. Dass die Anzahl der Betroffenen schon seit den 1980er Jahren signifikant und stetig ansteigt – bei beiden Geschlechtern, in allen Altersklassen und bei Menschen jedes sozioökonomischen Status – belegt der Versorgungsreport ebenfalls. Kein Wunder, dass Rebscher angesichts dieser Tatsache eine Erweiterung des GKV-Leistungskataloges um eine umfassende Adipositas-Behandlung fordert – auch um hohe Folgekosten einzudämmen.

Krankenkassen verweigern spezifische Behandlungen

Nicht nur ein ganzheitliches Behandlungskonzept lassen die Krankenkassen vermissen, auch spezifische Behandlungen werden Betroffenen oftmals verweigert. Dem Report zufolge erhielten lediglich 1 Prozent der betroffenen DAK-Versicherten im Jahr 2015 eine Ernährungsberatung. Von den Betroffenen, die einen Antrag auf eine multimodale Therapie stellten, erhielten lediglich 0,025 Prozent eine Zusage für die Kostenübernahme. Chirurgische Eingriffe in Zusammenhang mit Adipositas werden von allen Krankenkassen bislang nur in Einzelfällen und nach akribischer Überprüfung bezahlt. Obwohl dafür Menschen mit einem BMI über 40 und damit rund 1,3 Millionen Betroffene in Frage kommen, wurden im vergangenen Jahr lediglich 9.225 Menschen auch operiert. In den meisten Fällen müssen Adipositas-Patienten viele Hürden auf dem Weg zu einer individuellen und wirksamen Therapie überwinden und zahlreiche Leistungen aus eigener Tasche bezahlen.

Adipositas hat viele Ursachen

Das Grundproblem in Sachen Adipositas besteht darin, dass Krankenkassen das Krankheitsbild nach wie vor nicht als echte Krankheit verstehen. Dabei hat Adipositas viele unterschiedliche Ursachen. Neben Bewegungsmangel und Fehlernährung listet der angeführte Versorgungsreport auch Faktoren wie metabolische Störungen, genetische Disposition, Schlafmangel bzw. Schlafstörungen, Medikamente und deren Nebenwirkungen sowie diverse Essstörungen auf.

2017-05-19T16:09:46+00:00 23. November 2016|Allgemein|