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DAK-Pflegereport: Wunsch nach würdevollem Sterben zu Hause wird selten erfüllt

Zwei von drei Bundesbürgern verbringen ihre letzten Tage und Stunden nicht dort, wo sie eigentlich sein möchten. Das ist das Ergebnis des jetzt vorgestellten Pflegereports 2016 der DAK-Gesundheit (siehe PDF). Für die repräsentative Studie untersuchte das AGP Institut Sozialforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg im Auftrag der DAK erstmals die Erfahrungen, Vorstellungen und Wünsche der Deutschen zum Thema Sterben und Sterbebegleitung.

Mehrheit der Deutschen möchte zu Hause sterben

Die meisten Bundesbürger eint der Wunsch nach einem erträglichen Ende in gewohnter Umgebung in Ruhe und Würde. Insgesamt 60 Prozent der Bundesbürger würden es vorziehen, aus diesen Gründen in den eigenen vier Wänden zu sterben. Lediglich vier Prozent der Befragten würden die letzten Stunden des Lebens gern im Krankenhaus verbringen, zwei Prozent in einem Pflegeheim. Der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Prof. Herbert Rebscher, deutet dieses Ergebnis als ausgeprägte Skepsis gegenüber der palliativen Versorgung in Heimen und Kliniken.

Jeder fünfte stirbt allein im Krankenhaus

Die Realität steht jedoch in krassem Gegensatz zur Wunschvorstellung der Deutschen. Der Studie zufolge sterben gut 75 Prozent im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim. Jeder fünfte stirbt allein in einem Krankenhaus. 69 Prozent der Bundesbürger verbringen ihre letzten Stunden offenbar nicht dort, wo sie eigentlich sein möchten – mit zunehmender Tendenz. Vor mehr als 20 Jahren starben etwa 55 Prozent der Menschen zu Hause – in den letzten fünf Jahren lag der Anteil der Menschen, die in den eigenen vier Wänden verschieden, bei lediglich 32 Prozent.

Hohe Pflegebereitschaft bis zum Tod

Das mehrheitliche Sterben in öffentlichen Einrichtungen steht nicht nur in deutlichem Gegensatz zu den Wünschen der Betroffenen, es ist auch teuer und belastet die Krankenkassen zum Teil unnötig. So geht Rebscher davon aus, dass eine große Zahl sogenannter prämortaler Krankenhauseinweisungen vermeidbar wären. Oftmals werde der Grundsatz der Pflegeversicherung, ambulant vor stationär, in der Praxis nicht berücksichtigt, was zu hohen Kosten für die Sozialsysteme führt. Viele Bundesbürger würden Angehörige bis zu deren Tod pflegen. Insbesondere Frauen (41 Prozent) trauen sich diese Aufgabe zu. Sie machen ihre Pflegebereitschaft allerdings von ihrer Beschäftigungssituation abhängig. Jede Dritte der in Vollzeit beschäftigten Frauen würde Pflegedienste bis zum Tod übernehmen, bei Teilzeitbeschäftigten liegt die Quote bei etwa 50 Prozent. Der DAK zufolge müssen vor allem verlässliche Strukturen vor Ort aufgebaut werden, um Angehörige bei der Pflege Todkranker zu unterstützen und damit letztlich die Sozialsysteme zu entlasten.

2017-10-17T15:16:44+00:00 2. Dezember 2016|Gesundheit, Versicherung|