Basierend auf der weiteren rasanten Aus­breitung des Corona­virus wurde seitens der Krankenkassen eine spezielle Aus­nahme­regelung ins Leben gerufen: Krank­schrei­bungen können jetzt durch ein Telefonat mit dem Arzt erfolgen und werden dann per Post zugestellt. Die Ausnahmeregelung gilt bis Anfang April.

Außergewöhnliche Situa­tionen erfordern außer­gewöhn­liche Maßnahmen

So formuliert es auch die KBV (Kassen­ärztliche Bundes­vereinigung) inner­halb ihrer Über­ein­kunft mit dem GKV-Spitzen­verband. Inmitten der Corona­krise erfolgt nun ein ver­einfachtes Ver­fahren zur Aus­stellung von Arbeits­unfähigkeits­bescheini­gungen (AU), die im All­gemeinen als „Kranken­schein“ bezeichnet werden. Ärzten ist es mit sofortiger Wirkung ge­stattet, bei Patienten in Ver­bindung mit einer leichten oberen Atem­wegs­erkrankung eine Krank­schreibung über bis zu einer Woche nur übers Telefon auszustellen. In Form einer gemein­schaftlichen Bekannt­gabe des GKV-Spitzen­verbandes und der KBV, müssen Patienten hierzu nicht mehr persönlich beim Arzt vorstellig werden.

Neue Regelung gilt nicht für alle Patienten

Diese neu erlassene Ausnahmeregelung gilt allerdings nur für Betroffene einer leichten oberen Atemwegs­erkrankung, welche entweder die Kriterien des Robert-Koch-Instituts erfüllen, die sich auf eine mögliche Infektion mit dem neuen Erreger Sars-Cov-2 (Coronavirus) beziehen oder aber keinerlei schwer­wiegendere Symp­to­matik aufweisen. Die oberen Atemwege bezeichnen vorrangig die Nase und ihre Nebenhöhlen sowie den Kehlkopf und den Rachenraum. Die besondere Regel­ung zur Krankschreibung gilt ab sofort und ist aktuell beschränkt auf die kommenden vier Wochen. Mit besonderem Blick auf zunehmend vollere Warte­zimmer aufgrund der welt­weiten Ver­breitung des Corona­virus, der derzeitig kursierenden Influenza (Grippe) und fehlender Kapa­zi­täten, erschien den Kassen­ärzten die Neu­regelung als Mittel der Wahl. Sie soll vor allem dafür sorgen, dass Praxen best­möglichst entlastet werden. Ver­pflich­tend ist die Ver­einbarung für Ärzte jedoch nicht. Wer seine Patienten weiter­hin persönlich untersuchen möchte, kann dies wie gewohnt tun. Insbesondere dann, wenn der Mediziner den Verdacht einer schwer­wiegenderen Gefahr für die Gesundheit hegt.

KBV bittet Arbeitgeber um Verständnis

Bereits letzte Woche wurde seitens des stell­vertretenden Vor­sitzenden der Kassen­ärztlichen Bundes­vereiniung, Stephan Hofmeister, ein Appell an Arbeit­geber gerichtet, mit der Bitte auf einen der­zeitigen Ver­zicht einer Krank­schreibung im Rahmen von sechs Tagen. Als Vorbild vor­an­gehend erhöhte die KBV für eigene erkrankte Mit­arbeiter mit ent­sprechender Infektion der oberen Atem­wege die Karenz­zeit auf vorüber­gehend sechs Tage. Somit entfällt für Angestellte des Ver­bandes derzeit die Abgabe einer AU. Die Bundes­vereinigung der Deutschen Arbeit­geber­verbände war bisher kurz­fristig noch zu keinem Statement befähigt und auch innerhalb der letzten Wochen hielt man sich auf dieser Seite bei Nach­fragen eher zurück. Gesetzlich vor­geschrieben ist im Normal­fall die Abgabe von einem ärztlichen Attest nach spätestens drei Fehltagen. Es ist Arbeit­gebern überdies aber auch gestattet, bereits nach einem Tag Krankheit die Bescheinigung über eine Arbeitsunfähigkeit einzufordern.