In Deutschland wurde erstmals ein Fall von Coronavirus nachgewiesen. Am Montag­abend bestätigte ein Sprecher des Ge­sund­heits­ministeriums, dass sich ein Mann aus Bayern mit dem neu­artigen Erreger infiziert habe. Die Übertragung habe nach aktuellem Stand von Mensch zu Mensch durch eine aus China angereiste Kollegin stattgefunden. Bis zu ihrem Rückflug zeigte sie keinerlei Symptome. Grund zur Panik bestehe aber nicht. Deutschland sei gut vorbereitet und die Gefahr für Menschen in Deutsch­land bleibe gering, bestätigt das Robert-Koch-Institut. Mit einem Import von einzelnen Fällen müsse aber weiterhin gerechnet werden.

Vierter bestätigter Fall in Europa

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärt auf Twitter, er sei nicht überrascht, dass der Erreger nun auch in Deutsch­land nach­gewiesen worden ist. Der Patient aus Bayern befindet sich zur Zeit laut „Task Force Infektio­logie“ des Landes­amts für Gesundheit und Lebens­mittel­sicherheit (LGL) in Quarantäne und sei klinisch in einem guten Zustand. Menschen, die zu ihm Kontakt hatten, werden untersucht und über mögliche erste Anzeichen auf den Virus und die Übertragungs­wege auf­ge­klärt. So soll eine Aus­breitung ver­hin­dert werden. Zuvor waren bereits drei Fälle in Frank­reich bestätigt worden. Bei allen drei Patienten handelt es sich um Reisen­de, die zuvor in China waren. Die Region Wuhan in China gilt als der Aus­gangs­punkt des Corona­­virus. Auf einem Markt, auf dem unter anderem auch Wild­tiere gehandelt werden, soll es zu der ersten Über­tragung auf den Menschen gekommen sein.

Coronavirus – wie hoch ist das Infektionsrisiko?

Der Erreger namens 2019-nCoV gehört zu der Gruppe der Coronaviren, die ihren Namen aufgrund ihrer strahlen­förmigen Form, ähnlich wie bei einer Krone, tragen. Während harmlose Formen dieser Viren lediglich schwache Erkältungen auslösen können, kann der neue Coronavirus zu einer Erkrankung der Lunge und der Atem­wege führen. In China sind bereits viele Menschen an den Folgen des Erregers gestorben – aller­dings waren die meisten von ihnen ältere Patienten mit schweren Vor­erkrankungen.

Test auf Coronavirus: Krankenkassen übernehmen Kosten

Wie an­steckend 2019-nCoV wirklich ist, lässt sich schwer sagen. Fach­leute schät­zen jedoch, dass der Virus weniger ansteckend ist, als z.B. Influenza (Grippe) oder Masern. Wer sich vor einer Ansteckung schützen will, sollte die gleichen Regeln wie zur Grippe­zeit beachten: richtige Handhygiene sowie Abstand zu Er­krank­ten. Personen, die vor Kurzem die Provinz Hubei (inkl. Wuhan) bereist haben oder Kontakt zu einer infizierten Person hatten, sollten besonders aufmerksam sein. Ent­wickeln sie inner­halb von 14 Tagen Fieber oder Atem­wegs­probleme, sollten sie sich von ihrem Arzt auf den Virus testen lassen. Seit dem 1. Februar übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen (Liste) die Kosten für einen Test auf Coronavirus, wenn die betroffene Person zur Risikogruppe gehört: Das heißt laut Robert-Koch-Institut, dass man u.a. vor kurzem in China war und Symptome des Virus feststellt. Wichtig: Um weitere Anste­ckungen zu vermeiden, müssen das Kranken­haus oder der Arzt zuvor telefonisch be­nachrich­tigt werden. Nur so können im Vorfeld die nötigen Vorkehrungen getroffen werden.

Deutsche in Wuhan sollen ausgeflogen werden

Inzwischen ist die Zahl der Infizierten welt­weit auf 4.000 angestiegen. Das Aus­wärtige Amt empfiehlt, nicht not­wendige Reisen nach Wuhan zu verschieben. Dies bezieht sich aus­drücklich nur auf die Region Wuhan und nicht auf ganz China. Reisende sollten zu ihrer eigenen Sicher­heit Märkte, auf denen Tiere gehandelt werden und den generellen Kontakt mit Tieren meiden. Die Bundes­regierung arbeitet zusammen mit der Bundes­wehr momentan an Plänen, um Deutsche aus der chine­sischen Region Wuhan ausfliegen zu lassen, um sie vor einer möglichen Infektion durch den Virus zu schützen. Beim Aus­wärtigen Amt haben sich bisher 90 Deutsche gemeldet, die sich momentan in Wuhan aufhalten. Medien­berichten zur Folge, könnten Ende der Woche ein oder zwei Jets der Luft­waffe nach China geschickt werden. Da es unter den Deutschen in Wuhan aber noch keine bekannten Infektions­fälle gibt, bleibt offen, ob die Maßnahmen wirklich nötig sind.