Welche Bedeutung Telemedizin hat und in Zukunft noch haben wird, ist seit dem Ausbruch des Coronavirus noch einmal verstärkt sichtbar geworden. Bereits jetzt bieten immer mehr Arztpraxen Video-Sprechstunden an, wobei „Krankenscheine“ sowie Folgerezepte besprochen und per Telefon ausgestellt werden können. Zu­dem können erste elektronische Rezepte (eRezep­te) in den Apotheken eingelöst werden. Ein weiterer Ausbau der Digita­lisierung wird in den nächsten Monaten erwartet.

Techniker Krankenkasse etabliert E-Rezept

Seit Kurzem bietet die Techniker Kran­ken­kasse (TK) ihren Kunden in Kooperation mit dem Apotheken-Dienst­leister Noventi das eRezept an. Ebendiese können, laut eige­nen Angaben, bundesweit an bis zu 7.000 Apotheken verschickt werden. Damit zählt die TK zu den Pionieren im Bereich der Telemedizin. Darüber hinaus haben Versicher­te der TK die Möglichkeit, eine Fernbe­handlung bei Corona-Verdacht in Anspruch zu neh­men. Diesbezüglich steht ihnen eine Beratungs­hotline 24 Stunden pro Tag und sieben Tage die Woche zur Verfügung. Auf diese Weise will die Techni­ker Krankenkas­se zur Eindämmung des Coronavirus beitragen.

Weitere Pilotprojekte sind gestartet

Neben der Techniker Krankenkasse bieten weitere Dienstleister im Gesundheitssektor verstärkt digitale Leistungen an. Patienten des Ärztlichen Bereit­schafts­diensts in Hes­sen haben neuerdings auch die Möglich­keit, sich Rat per Video­sprech­stun­den einzu­holen. Bei Bedarf kann auch ein eRezept zugesandt werden. Der Service gilt im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit dem Hessischen Apotheker­ver­band (HAV), der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) sowie der AOK Hessen, der DAK-Gesundheit und der TK. Patienten, die den Service in Anspruch nehmen möch­ten, müssen volljährig sein und sich im Vorfeld für den Service registriert haben. Per Vi­deotelefonie können dann vor allem Erkäl­tungskrankheiten, Hautausschläge oder andere einfach per Bildschirm zu diagnos­tizierende Krankheiten behandelt werden.

Ausbau der Digitalisierung dringend notwendig

Auch wenn bereits wichtige erste Schritt in Richtung Digitalisierung vorgenommen wurden, bedarf es künftig eines weiteren Ausbaus. Auch das zeigt das neue Konzept der Techniker Krankenkasse. Denn ganz so einfach lässt sich die Einlösung des eRezepts für Versicherte in der Praxis noch nicht umsetzen. So sind in der App der TK erst drei Apotheken hinterlegt. Wollen Kunden das Medikament bei einer Apo­theke in ihrer Nähe abholen, müssen sie sich an die Kundenhotline des Anbieters wenden. Die Mitarbeiter suchen dann eine Einrichtung im unmittelbaren Umkreis des Versicher­ten, bei dem diese ihr Rezept einlösen können. Auch ist es möglich, eine Apotheke für den Botendienst heraus­zusuchen. Allerdings ist die TK im Vorfeld noch dazu ver­pflich­tet, einen Vertrag nach Paragraph 140 SGB V zur Besonderen Versorgung mit jeder teilneh­menden Einrichtung abzuschließen. Nur so ist es den Apotheken mög­lich, das eRezept über die Krankenkasse abzu­rechnen. Bis in diesem Bereich ein reibungsloser Ablauf mög­­lich ist, müssen sich Kunden also noch etwas gedulden.