Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jetzt erstmals Burn-out als eine Krankheit klassifiziert. Burn-out wird auf chronische Belastung, die auf der Arbeit entstehen kann, zurückgeführt. Bei massiver Anspannung am Arbeitsplatz kann ein dauerhafter Erschöpfungszustand ein Anzeichen für einen Burn-out sein.

Welche Berufe sind am meisten betroffen?

Unter Erschöpfung, Depression und Ängsten leiden vor allem viele Krankenhausärzte. Die Arbeit unter diesem extremen Druck hinterlässt seine Spuren. Die Hauptgründe sind die stets wachsende Bürokratie, Mehraufgaben, wirtschaftlicher Druck sowie ständige Unterbrechungen der regulären ärztlichen Tätigkeit. Immer mehr Mediziner erkranken am Syndrom Burn-out. Beim Vergleich mit anderen betroffenen Berufsgruppen sind sie mittlerweile auf den zweiten Platz vorgerückt und sind damit der am meisten betroffene Beruf, gleich nach den Lehrern. Im schlimmsten Fall kann dies sogar zu einer Berufsunfähigkeit führen. Wer in einem stressigen Job arbeitet und schon im Vorfeld bei seiner Berufsunfähigkeitsversicherung Burnout mitversichert hat, profitiert im Fall einer dauerhaften Berufsunfähigkeit von den Leistungen der Versicherung bis zum Rentenalter.

Burn-out: Das sind typische Symptome

Das diesjährige Treffen der Weltgesundheitsorganisation hat ergeben, dass Burn-out erstmalig als Krankheit anerkannt wird. Zukünftig wird „chronischer Stress am Arbeitsplatz“, ein weit verbreiteter Belastungszustand, als Syndrom gesehen, wenn er in der Folge zum Burn-out wird. Hiermit konnte eine jahrzehntelange Debatte unter Fachleuten beendet werden.

Gesundheitsexperten erkennen drei Dimensionen der Krankheit „Burn-out“. Zum einen stellt sich ein Gefühl von einer bleiernen Erschöpfung ein. Der Betroffene erfährt eine zunehmende geistige Distanz zu seiner Umwelt beziehungsweise eine negative Haltung zu der täglichen Arbeit. Weiterhin verringert sich das berufliche Leistungsvermögen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist explizit darauf hin, dass der Ausdruck „Burn-out“ nur im beruflichen Zusammenhang verwendet werden sollte. Erfahrungen in anderen Lebensbereichen fallen nicht darunter.

Jung und alt gemeinsam gegen Burn-out

Das Thema rückt immer stärker in den Focus der Öffentlichkeit, sicher auch, weil immer mehr Menschen betroffen sind. Das dieses Thema gesellschaftlich relevant ist, weiß auch der Verein Stress Management aus Basel. Er widmet sich in erster Linie psychischen Erkrankungen, zu denen Depressionen und Burn-outs gehören. Experten arbeiten im Rahmen von Projekten auch mit Kindern und vielen jungen Menschen zusammen, die sich in der gemeinsamen Arbeit diesen wichtigen Themen widmen. In Form von Präsentationen oder Seminaren bietet der Verein die Möglichkeit, einen besseren Umgang mit Stress zu erlernen. Im Rahmen eines Filmprojekts sind dabei die Erfahrungen von betroffenen Lehrern und Schülern aufgegriffen, verarbeitet und umgesetzt worden. Im September 2019 soll die Filmpremiere stattfinden und das Ergebnis dann zu sehen sein.

Ab wann die neue Klassifikationsliste in Kraft tritt

Die Entscheidung, „Burn-out“ als eine Krankheit zu klassifizieren, wurde in Genf auf der „World Health Assembly“ getroffen. Dieses Zusammenkommen gilt als das höchste Entscheidungsgremium der WHO. Die Klassifikation der Krankheiten, welche die weltweit agierende Gesundheitsorganisation benennt, hat Anfang der Neunziger Jahre ihre Gültigkeit erlangt. Sie enthält Beschreibungen von vielen Tausenden Krankheitsbildern. Die dazugehörigen Codes werden mittlerweile von der internationalen Gemeinschaft verwendet. Die aktuelle Klassifikationsliste, die den Namen ICD-11 trägt, wird im Januar in 2022 in vollem Umfang in Kraft treten.

WHO passt weitere Erkrankungen an

Ebenso sind weitere Anpassungen in der aktuellen Krankheitsbilder-Liste enthalten. Im letzten Jahr beschloss die WHO bereits, dass „zwanghaftes Sexualverhalten“ als eine psychische Störung gesehen wird. Weiterhin werden erstmalig parallel zum Glücksspiel und Drogen ebenfalls Videospiele als denkbarer Auslöser für eine Sucht als Krankheit klassifiziert.

Transgender-Personen, die sich mit ihrem von Geburt an gegebenen Geschlecht nicht identifizieren, sollen nun nicht mehr das Label „psychische Störung“ tragen müssen. Stattdessen wird das Thema „Transgender“ in dem Kapitel behandelt, das sich mit der sexuellen Gesundheit beschäftigt.