Ab dem 18.01.2020 wird bei der Hebammen­ausbildung eine Reform in Kraft treten. So entschied es Anfang November der Bundesrat. Studierende werden demnach zukünftig in Form eines dualen Studiums mit hohem Praxis­anteil und einem wissen­schaftlichen Schwerpunkt ausge­bildet. Die Dauer des Studiums wird zwischen sechs und acht Semestern liegen. Die Grundlage der Reform bildet das Hebammen­reform­gesetz (HebRefG) – mit ihm soll sichergestellt werden, dass die Ausbildung hierzulande in ganz Europa anerkannt wird.

Reform soll EU-weite Anerkennung bewirken

Die neue Hebammenausbildung entspricht internationalen Standards und lässt sich mit einem Bachelor­studium vergleichen. Mit der Reform entspricht der Ausbildungs­weg den Standards in Europa, sodass in Zukunft eine EU-weite Aner­kennung möglich ist. Hebammen und Entbindungs­helfer sind damit imstande, überall im EU-Ausland ihren Beruf auszuüben. Doch dies war nicht der einzige Grund für die Reform des Studiums. Denn auch die Anforderungen an Geburtshelfer steigen stetig. Die derzeitige Ausbildung, die noch auf dem Hebammen­­ausbildungs­­gesetz aus dem Jahr 1980 aufbaut, wird den heutigen Standards nicht mehr gerecht. Das Hebammen­studium soll daher berufsnaher werden und sich auf ein solides wissenschaftliches Fundament stützen. Auf diese Weise solle es außerdem zu einer Attraktivitäts­steigerung des Berufsfelds kommen.

Bereits tätige Hebammen von Reform nicht betroffen

Von der Reform nicht betroffen sind alle, die bereits als Geburtshelfer arbeiten. Dabei ist es ganz gleich, wo und in welcher Form die Ausbildung rund um Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge absolviert wurde. Auch Personen, die bereits ein Studium zum Geburts­helfer absolvieren, müssen nicht um ihren Status fürchten – wer die Ausbildung mit Erfolg abschließt, bleibt Hebamme.

Die Inhalte des Hebammenreformgesetzes im Blick

Gemäß der Reform erhalten alle Studenten für die Dauer der Ausbildung eine Vergütung. Das duale Studium kann in mindestens sechs und maximal acht Semestern absolviert werden. Es schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, wobei die Absolventen den Bachelor erhalten. Nur wer diese Prüfung erfolgreich beendet, darf die Berufs­bezeichnung „Hebamme“ führen. Um die Auszubil­denden auf das Berufsleben vorzubereiten, hat die Ausbildung einen hohen Praxisanteil, der in Geburts­häusern oder in Kliniken stattfindet. Voraussetzung für das Studium ist entweder eine zwölfjährige allgemeine Schul­ausbildung oder aber eine bereits abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf.

Deutscher Hebammenverband begrüßt Gesetz

Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), äußert sich positiv über die langersehnte Akademisierung des Hebammen­berufes: „Wir sind sehr zufrieden, dass die Länder im Bundesrat für eine Modernisierung unseres Berufes gestimmt haben. Das Votum war überfällig.“ Mit der Reform sei nun endlich der Weg frei für eine moderne Ausbildung, die sich der rasanten Entwicklung in Medizin und Pflege anpasst. Da sich der DHV als größter deutscher Hebammen­berufsverband nicht nur auf nationaler, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus für die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen einsetzt, ist die internationale Vergleichbarkeit des neuen Ausbildungs­modells natürlich ein besonderes Anliegen gewesen. Geppert-Orthofer betont, dass das akademische Studium außerdem notwendig sei, um auch zukünftig junge Menschen in Deutschland für den Beruf der Hebamme zu begeistern.