Bürokratieindex: Zu viel Bürokratie in deutschen Arztpraxen

Obwohl der bürokratische Aufwand in Deutschlands Arztpraxen leicht gesunken ist, gilt er immer noch als viel zu hoch. Das ist das Ergebnis des ersten Bürokratieindex (siehe PDF), der von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KV WL) und der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) Berlin im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erstellt worden ist.

52 Millionen Stunden Bürokratie statt Patientenbetreuung

Dem nun veröffentlichten Report zufolge häuften die Arztpraxen der Bundesrepublik im Jahr 2016 etwa 52 Millionen Bürokratiestunden an – im Vergleich zum Jahr 2013 immerhin ein Rückgang um etwa 3 Millionen Stunden. Und dabei berücksichtigt der Index nicht einmal alle bürokratischen Aufgaben einer Arztpraxis sondern bildet lediglich die Stunden ab, die durch Vorgaben der Selbstverwaltung anfallen. Vom Index ausgenommen sind Bürokratiestunden aufgrund von gesetzlichen Regelungen, die vom Statistischen Bundesamt separat erhoben werden. Schätzungen zufolge fallen für alle bürokratischen Vorgänge in deutschen Arztpraxen derzeit etwa 76 Millionen Stunden Arbeitszeit an – Zeit, die für die Betreuung der Patienten oftmals fehlt.

Millionen Stunden Büroarbeit überflüssig

Bemerkenswert ist allerdings nicht nur der Bürokratieumfang an sich sondern auch die Tatsache, dass Millionen an Arbeitsstunden unnötig dafür verschwendet werden. Rund die Hälfte der bürokratischen Vorgänge könnten wegfallen, so Dr. Thomas Kriedel von der KV WL, ohne spürbare Auswirkungen auf den alltäglichen Praxisbetrieb zu hinterlassen. Unnötig viel Bürokratie fällt Kriedel zufolge vor allem bei Überweisungen, Bescheinigungen und Verordnungen an, die durch einfache Maßnahmen erheblich vereinfacht werden könnten. Übrigens: Auch Auskünfte an Krankenkassen und deren Medizinischen Dienst sorgen für einen deutlichen Mehraufwand in deutschen Arztpraxen.

Bürokratieindex sorgt künftig für mehr Transparenz

Der Bürokratieindex der KBV ist 2016 erstmals veröffentlicht worden und soll jährlich aktualisiert werden. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion über die bürokratische Belastung in deutschen Arztpraxen anzuregen bzw. auf dem neuesten Stand zu halten. Der Index bedient sich dabei empirischer Fakten mit hoher Aussagekraft, die bereits bestehende Erhebungen wie beispielsweise die des Statistischen Bundesamtes sinnvoll ergänzen können.

2017-05-19T16:09:44+00:00 2. Dezember 2016|Allgemein|