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Bürgerversicherung in Holland: WIP-Analyse fällt negativ aus

In den Niederlanden wurde vor 12 Jahren das Krankenversicherungssystem reformiert. Das duale System wurde in ein einheitliches System verwandelt, in dem es keine gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen mehr gibt. Dies wurde nun aus Sicht der PKV analysiert und bewertet. Die Ergebnisse der Untersuchung sind negativ ausgefallen.

Das niederländische System der Krankenversicherung

Nachdem die Niederlande seit 12 Jahren nun ein einheitliches Krankenversicherungssystem haben, hat das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) eine Analyse dieses Systems vorgestellt. Im niederländischen Modell werden die akute sowie die Basisversorgung sichergestellt ebenso wie Krankenhausaufenthalte bis zu einem Jahr Länge. Die Mitglieder der Kassen sind zudem verpflichtet, eine Pflegeversicherung sowie eine Langzeitversicherung abzuschließen, welche chronische Leiden, Langzeitpflege und längere Krankenhausaufenthalte abdeckt. Des weiteren gibt es als Ergänzung freiwillige private Zusatzversicherungen zum Beispiel Zahnzusatzversicherung und psychologische Behandlungen. Hilfeleistungen zusätzlich zur Pflege werden seit 2007 von den Gemeinden getragen. Die Reform sollte für mehr Gerechtigkeit sorgen, den Wettbewerb stärken und einen gewissen Teil der Verantwortung durch Selbstbeteiligungen auf die Versicherten übergehen lassen. Die Basisversicherung ist Pflicht,  die entsprechenden Versicherer sind alle in privater Hand. Jeder kann seine Basisversicherung bei einem Unternehmen seiner Wahl abschließen. Die Regierung legt derweil jährlich den Umfang dieses Basisschutzes neu fest. Finanziert wird die Basisversicherung durch einen Mix aus einkommensabhängigen Beiträgen (50%), Steuern, Pauschalen und Selbstbeteiligungen am Versichertenbeitrag. Insgesamt mussten die Menschen 2017 etwa 1350 Euro Pauschale, maximal 367 Euro Selbstbeteiligung und 1.122 Euro für die Pflegeversicherung zahlen. Die durchschnittliche einkommensabhängige Beitragshöhe lag bei 5.348 Euro pro Jahr. Die Menschen haben die Wahl zwischen verschiedenen Arten der Abrechnung, wobei sich etwa drei Viertel der Bevölkerung dafür entschieden haben, den Arzt direkt mit der Versicherung abrechnen zu lassen, so wie es in Deutschland gesetzliche Krankenkassen (Liste) machen.

Bewertung der niederländischen Bürgerversicherung

Die Experten des WIP kamen zu dem Ergebnis, dass die Belastungen für die Haushalte verhältnismäßig hoch sind. Zudem wurde festgestellt, dass der Wettbewerb zwischen den Kassen nicht angespornt werden konnte. Die Zahl der Versicherer ist im Gegenteil durch Fusionen von über 100 auf nur noch 24 gesunken. Zu Anfang hat knapp jeder fünfte Versicherte seine Krankenversicherung gewechselt. Seither gibt es nur wenig Fluktuation. Das Ziel der Kostenreduzierung durch das neue System konnte laut WIP ebenfalls nicht erreicht werden. Zur Kostenreduzierung wurde die Selbstbeteiligung erhöht, es wurden Leistungen aus dem Basiskatalog gestrichen und Budgets in der Pflege gekürzt. Die Beitragsbemessungsgrenzen wurden angehoben. Heute zahlen Versicherte allerdings im Durchschnitt etwa doppelt so viel für ihre KV als vor der Reform. Zudem ist zu beobachten, dass viele Menschen in den Niederlanden (etwa 10%) Arztbesuche meiden oder Medikamente nicht nehmen, weil sie die Kosten fürchten. Damit betrachtet das WIP die Reform als ein Negativbeispiel, dem Deutschland nicht folgen sollte.

2018-05-08T11:56:15+00:0011. April 2018|Gesetzlich, International, Politik, Versicherung|