Nach dem Brexit Ende Januar 2020, also dem Austritt Großbritanniens (GB) aus der EU, sind gesetzlich versicherte Reisende von einigen Änderungen betroffen. So sind sie künftig über die europäische Versicher­ten­karte nicht mehr abgesichert. Darauf aufmerksam macht zur Zeit die Betriebs­krankenkasse von Siemens (SBK).

Brexit mit weitreichenden Auswirkungen

Wie jüngste Entwicklungen zeigen, sind nicht nur Politik und Wirtschaft vom EU-Austritt Großbritanniens betroffen. Die Veränderung wirkt sich auch auf reisende EU-Bürger aus. Sie müssen sich auf einen Aufenthalt in jenem Staat künftig besser vorbereiten. Denn ab Februar 2020 verliert der Versicherungsschutz durch die gemein­same europäische Gesundheitskarte im Vereinigten Königreich seine Gültigkeit. Bisher konnten sich die Staatsbürger Deutschlands, die während des Aufenthalts auf der Insel krank wurden, dank der Karte ohne Mehrkosten von britischen Ärzten behandeln lassen.

Eine finanzielle Vorleistung ist erforderlich

Die Siemens-Betriebskrankenkasse klärt Reisende mit Hilfe ihres Auslandsberaters, Michael Zaubzer, nun über ihre Möglichkeiten auf. “Bei einer Behandlung seitens des National Health Service (NHS) müssen Urlauber aus Deutschland in Großbri­tan­nien in Zukunft in Vorleistung gehen. Allerdings haben Reisende bis Ende 2020 noch ein wenig Spielraum – Krankenkassen erstatten Versicherten für die Leistungen die Kosten, welche für die gleiche Therapie in Deutschland entstanden wären”, erklärt der Experte. Den vom Gesetz her vorge­schriebenen Eigenanteil müssen Patienten jedoch selbst begleichen. Jene Regelung gelte jedoch ausschließlich für Ärzte des NHS. Erfolgt die Behandlung in Privat­praxen, müssen Versicherte für alle Kosten selbst aufkommen.

Private Auslandskrankenversicherung als Lösung

Die SBK rät Reisenden vorzusorgen, um sich für den Krankheitsfall zu schützen. Am besten eigne sich dafür eine private Aus­landskrankenversicherung. Denn ab 2021 sei selbst die Kostenerstattung der NHS-Praxen nicht mehr garantiert. “Es lohnt sich für alle Personen, die nach Groß­britannien reisen, bereits im Übergangs­zeitraum eine Zusatzversicherung abzu­schließen. So ersparen sich Betroffene im Krankheitsfall die Übernahme etwaiger Mehrkosten”, erzählt Zaubzer. Derzeit ist es allerdings noch nicht sicher, wie es nach 2020 aus­sieht. Verhandlungen zu diesem Thema laufen zwischen der EU und GB noch. Reisende, die nicht selbst für Behand­lungs­kosten aufkommen wollen, können sich derzeit nur durch eine private Zusatz­versicherung schützen.

Regeln für längere Aufenthalte

Ist ein längerer Aufenthalt im Vereinigten Königreich geplant, müssen Betroffene jedoch anders vorgehen. Handelt es sich beispielsweise um Studierende oder Arbeitnehmer, die mehr als acht Wochen auf der Insel verweilen, ist der Abschluss einer regulären Krankenversicherung nicht ausreichend. Denn sie deckt längere Aufenthalte nicht ab. In solchen Fällen bietet eine Langzeit-Krankenversicherung den erforderlichen Schutz. Hierbei handelt es sich um eine Regelung, die bereits vor dem Brexit Gültig­keit hatte – der EU-Austritt Groß­britanniens hat daran nichts geändert.

Arbeitsunfall bei Entsendung: Neue Bestimmungen

Einen Sonderfall stellt die Situation dar, wenn deutsche Arbeitnehmer (AN) während eines beruflichen Einsatzes (Entsendung), in GB einen Arbeitsunfall erleiden. Wie die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) berichtet, greift dabei ein gesetzlicher Unfallschutz nach deutschem Recht. Mit dem Brexit kommt es allerdings zu neuen Regelungen, wie die BGHM auf ihrer Website erläutert. Nach jetzigem Stand wird die bisherige Sachleistungsaushilfe ihre Gültigkeit verlieren: Britische Kostenträger übernahmen die Heil- oder Rehakosten und ließen sich diese Ausgaben von den deutschen Unfallversicherern wie der BGHM rückerstatten.

Jetzt müssen Betroffene selbst für ihre medizinisch notwendigen Behandlungen sorgen und anfallende Rechnungen zunächst begleichen. Diese sollen dann in Deutsch­land eingereicht und in vollem Umfang erstattet werden können. Allerdings mit der Einschränkung, dass die üblichen deutschen Inlandssätze herangezogen werden und damit unter Umständen manche Kosten nicht gedeckt sind. Dieses Vorgehen betrifft sowohl kurzzeitige entsendete AN, als auch dauerhaft in GB tätige Personen, die bei einem Unternehmen aus Deutschland angestellt sind. Über das endgültige Verfahren im Rahmen der Übergangsfrist bis Ende 2020 und für die Zeit danach besteht jedoch weiterhin Unklarheit.