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Bonusprogramme der Krankenkassen – Werden die Prämien bald abgeschafft?

Das Bundesversicherungsamt (BVA) hat Kritik an den Angeboten der gesetzlichen Krankenkassen geäußert. Während auch die SPD und die Grünen einen Korrekturbedarf für die Bonusprogramme sehen, bleibt das CDU-geführte Gesundheitsministerium gelassen. Ein Punkt der Kritik war die Befürchtung, dass ältere Menschen von den Kassenregelungen des öfteren benachteiligt werden.

Bonusprogramme der Krankenversicherer

Wahltarife und Bonusprogramme, die es nahezu bei allen Versicherern gibt, sind in die Kritik geraten. Patienten können häufig durch den Verzicht auf einen Arztbesuch oder die Teilnahme an regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen Geld sparen. Diese Programme sind 2004 unter der damaligen Rot-Grünen Regierung aufgekommen und haben den Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen verändert. Auch die letzte Regierung hatte die Kassen dazu ermuntert, solche Belohnungen anzubieten. Das Bundesversicherungsamt verweist nun in einem Bericht auf den unzulässigen Einsatz von Prämien zur Gewinnung von neuen Mitgliedern, während gleichzeitig weniger Wert auf die eigentlichen Ziele der Bonusprogramme gelegt werde. Die Option der Wahltarife mit Selbstbeteiligung soll laut Bundesversicherungsamt ebenfalls überprüft werden. Ob ein gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht, muss allerdings erst noch festgestellt werden. Die Bonusprogramme abzuschaffen, steht hingegen laut SPD-Fraktionsvize Lauterbach nicht zur Debatte: Sie sollen vom Bundesversiche­rungsamt nur besser geprüft werden. Schließlich sei es genau das BVA, welches die Angebote prüft und genehmigt. Dem schloss sich der GKV-Spitzenverband an. Die Kritik des Bundesversicherungsamtes sei im Grunde eine Kritik an seiner eigenen Arbeit. Der Gesetzgeber regele lediglich die Rahmenbedingungen.

Benachteiligungen müssen vermieden werden

Maria Klein-Schmeink von den Grünen betonte, dass die Kassen mit den Boni junge und gesunde Menschen an sich binden wollen und dass es tatsächlich, wie vom Bundesversicherungsamt befürchtet, zu Benachteiligungen anderer Personengruppen kommen könne. Auch Extraleistungen, wie beispielsweise die Kostenerstattungen für Homöopathie und Osteopathie, werden häufig nur zur Gewinnung von neuen Mitgliedern ins Kassenprogramm aufgenommen. Ältere Menschen und chronisch Kranke werden von den Bonussystemen nicht angesprochen. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, bemängelt, dass Senioren von den Kassen häufig nur als Belastung gesehen werden. Dabei haben sie über viele Jahre ihre Beiträge geleistet. Dies sei diskriminierend. Ein Bericht der Aufsichtsbehörde BVA kritisierte unlauteren Wettbewerb um junge und gesunde Versicherte, während Anträge von älteren Menschen oft abgelehnt würden, z.B. würden Gesuche zur Rehabilitation  zu 19,4 % nicht genehmigt. Es werden Prämien für die Vermittlung von neuen Mitgliedern ausgegeben, allerdings nur, wenn es sich bei diesen neuen Mitgliedern um junge gesunde Menschen handelt, für Hausfrauen oder Rentner gäbe es sie dagegen nicht. Darin und in der Tatsache, dass die Bonusprogramme nur auf junge Versicherte abzielen, sehen viele eine Diskriminierung, welche eine Überarbeitung des aktuellen Systems erfordert.

2018-04-16T15:34:32+00:00 16. April 2018|Gesetzlich, Politik, Versicherung|