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Bessere Zahngesundheit für Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftige

Wie aus mehreren Studien hervorgeht, weisen Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftige eine erheblich schlechtere Zahngesundheit auf als der Durchschnitt der Bevölkerung. Aus diesem Grund hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nun die erste Fassung einer neuen Richtlinie zur Zahngesundheit beschlossen. Die Richtlinie konkretisiert die Ansprüche Pflegebedürftiger gemäß § 22a SGB V im Hinblick auf vertragszahnärztliche Leistungen zur Verhinderung und Behandlung von Zahnerkrankungen.

Juristischer Hintergrund der neuen Richtlinie

Bereits jetzt haben Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen besondere Ansprüche auf zahnärztliche Vorsorgeleistungen. Dies ist gemäß § 22a SGB V geregelt. Art und Umfang der Leistungen sind darin jedoch nicht im Einzelnen definiert. In Ergänzung zu diesem Paragraphen wurde der Gemeinsame Bundesausschuss daher im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes damit beauftragt, eine Richtlinie zur genaueren Bestimmung der Leistungen zu entwerfen. Vergangenen Donnerstag hat der G-BA die Erstfassung der Richtlinie beschlossen, die nun dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt wird. Die Richtlinie wird frühestens am 01. Juli 2018 in Kraft treten, wenn sie nicht beanstandet wird.

Bisheriger Versorgungsstatus mit Lücken

Gegenwärtig bestehen deutliche zahnmedizinische Versorgungslücken für bestimmte Personengruppen. Patienten mit Pflegegrad nach § 15 SGB XI sowie Menschen mit Eingliederungshilfe gemäß § 53 SGB XII haben zwar grundsätzlich Anspruch auf bestimmte Leistungen. Doch setzt das gegenwärtige System gesetzlicher Krankenversicherungen voraus, dass Patienten eigenverantwortlich handeln können müssen – sich also selbst die Zähne putzen und eigenständig einen Zahnarzt aufsuchen. Viele Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen sind dazu nicht in der Lage. Die Folge ist eine sich verschlechternde Zahn- und Mundgesundheit. Da nützt auch die beste Zahnzusatzversicherung nicht, die Wahrscheinlichkeit von Karies, Parodontose und Erkrankungen der Mundschleimhaut steigt.

Gesetzliche Krankenkassen (Liste) übernehmen derzeit nicht die Kosten von Präventionsmaßnahmen zahnmedizinischer Art. Des Weiteren werden Versicherte bislang kaum zu Hause behandelt, es mangelt an mobilen zahnmedizinischen Fachkräften. In Anbetracht der gesellschaftlichen Alterung stellt dies ein in Zukunft wachsendes Problem dar.

Neue Leistungen im Überblick

Zu den in der neuen Richtlinie konkretisierten zahnmedizinischen Leistungen gehört die Erfassung des gesamten Status der Mundgesundheit (PDF). Dies umfasst Zähne, Zahnfleisch und Mundschleimhäute ebenso wie eventuellen Zahnersatz. Der Status soll einmal pro Kalenderjahr erfolgen. Auf seiner Grundlage wird ein Gesundheits­plan erstellt. Dieser individuelle Plan umfasst in erster Linie Empfehlungen zu Hygiene, Vorsorge, Zahnpflege und Ernährung.

Ebenso gehören Beratungsleistungen zur Mundgesundheit zum Leistungsumfang. Dies umfasst Erläuterung und praktische Anwendungshilfe von Maßnahmen, wie die Vermeidung von Mundtrockenheit (Video) oder die Anwendung von Flourid. Auch diese Aufklärung erfolgt einmal jährlich. Eine weitere wichtige neue Leistung ist zudem die Entfernung von harten Zahnbelägen. Versicherte können diese einmal pro Halbjahr in Anspruch nehmen.

2017-10-28T10:05:15+00:00 24. Oktober 2017|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Recht|