//Begriff der Pflegebedürftigkeit wurde 2017 neu definiert

Begriff der Pflegebedürftigkeit wurde 2017 neu definiert

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen hat das Jahr 2017 positiv begonnen. Mit Inkrafttreten des zweiten Pflegestärkungsgesetzes zum Jahresbeginn profitieren zahlreiche Betroffene von umfangreicheren Leistungen. Dreh- und Angelpunkt ist der Begriff der Pflegebedürftigkeit, der im Rahmen des Gesetzes neu definiert wurde. Damit einher geht auch ein neues Begutachtungsinstrument der Medizinische Dienste.

Unterscheidung zwischen körperlicher und geistiger Einschränkung entfällt

Mit dem neuen Gesetz hängt die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit maßgeblich davon ab, wie selbstständig Betroffene sind und welche Fähigkeiten sie noch besitzen. Gemäß § 14 SGB XI gelten Menschen als pflegebedürftig, die auf die Hilfe Dritter angewiesen sind, da ihre Selbstständigkeit gesundheitlich bedingt beeinträchtigt ist. Darüber hinaus muss die Pflegebedürftigkeit voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen. Die gesundheitlich bedingten Einschränkungen können nicht selbstständig kompensiert oder bewältigt werden.

Konkret bedeutet das: Alle Menschen erhalten einen gleichgeordneten Zugang zur Pflegeversicherung. Ob sie physisch beeinträchtigt sind oder ihre Einschränkung geistiger bzw. psychischer Natur ist, spielt keine Rolle. Was so selbstverständlich klingt, ist tatsächlich ein Novum: Bislang wurden geistige bzw. psychische Erkrankungen und Beeinträchtigungen nur unzureichend berücksichtigt. Der Fokus bei der Einschätzung der Pflegebedürftigkeit lag auf körperlichen Beeinträchtigungen.

Sechs Bereiche zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit

Ab sofort liegen der Einschätzung der Pflegebedürftigkeit gemäß §14 Abs. 2 SGB XI sechs Bereiche zugrunde. Beurteilt werden Betroffene hinsichtlich ihrer Mobilität, ihrer kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychologischen Problemlagen. Des Weiteren werden ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung, ihr Umgang mit damit einhergehenden Belastungen und Anforderungen sowie im Hinblick auf die Gestaltung ihres Alltagslebens und ihrer sozialen Kontakte berücksichtigt. Diese Bereiche bilden die alleinige Grundlage für die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit – weitere Kriterien dürfen nicht zusätzlich herangezogen werden.

Pflegegrade statt Pflegestufen

Die Neudefinition der Pflegebedürftigkeit zieht auch eine neue Einteilung der Betroffenen nach sich. Statt der bekannten Pflegestufen gelten nun fünf Pflegegrade. Die Erweiterung von drei auf fünf Eingruppierungen soll eine genauere Abstimmung des Bedarfs ermöglichen. Positiver Nebeneffekt: Mit den Pflegegraden erhalten erstmals auch zahlreiche Menschen Pflegeleistungen, die bislang keinen Anspruch geltend machen konnten. Schlechter gestellt werden soll mit den neuen Pflegegraden kein Pflegebedürftiger. Betroffene, die bereits Pflegeleistungen beziehen, erhalten höhere Leistungen als bisher oder müssen geringere Eigenleistungen für die vollstationäre Pflege aufbringen.

Redaktion

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2017-09-20T20:43:15+00:00 2. Februar 2017|Allgemein|