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Barmer-Projekt: Besserer Schutz für Patienten mit Polymedikation

AdAM heißt das neue Projekt der Barmer GEK, das Patienten mit fünf oder mehr Medikamenten besser vor unerwünschten Wechselwirkungen und damit verbundenen Komplikationen schützen soll. Unterstützt von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe sowie der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, der Universitätsklinik Köln und den Universitäten von Bielefeld, Bochum, Frankfurt/Main und Köln, erhält die „Anwendung für ein digital unterstütztes Arzneimitteltherapie-Management“ Starthilfe in Höhe von 16 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds. Bis zum Projektende im September 2019 soll der neue Ansatz vor allem eines tun: die Sicherheit der beteiligten Patienten im Hinblick auf deren Medikation zu erhöhen.

Hausärzte überwachen Gesamtmedikation

Die Idee hinter dem Projekt ist im Grunde einfach: Mit Zustimmung der Patienten sollen die betreuenden Hausärzte eine Liste aller verordneten Medikamente und zusätzlich Informationen über Selbstmedikationen (z.B. mit rezeptfreien Arzneimitteln) von den Patienten selbst erhalten. Kombiniert mit medizinischen Informationen soll der jeweilige Hausarzt einen wirklich aktuellen und genauen Medikationsplan erstellen und die Gesamtmedikation des Patienten überwachen. Auf diese Weise sollen mögliche Wechselwirkungen frühzeitig erkannt und der Arzneimitteleinsatz auf das notwendige Minimum beschränkt werden.

Krankenkassen, Patienten und Mediziner profitieren gleichermaßen

Profitieren könnten von diesem neuen Vorgehen alle Beteiligten. Patienten könnten ggf. auf einige Medikamente verzichten und ungewollte Nebenwirkungen vermeiden, ihr Wohlbefinden kann steigen, Klinikaufenthalte könnten im besten Fall vermieden werden. Mehr als 18 Millionen Patienten könnten von diesem Projekt profitieren, in der aktuellen Testphase immerhin bis zu 35.000 Teilnehmer. Die Krankenkassen profitieren durch mögliche Einsparungen. Barmer-Chef Mani Rafii geht davon aus, dass die digital gestützte Polymedikation den deutschen Krankenkassen Einsparungen von bis zu 2,75 Milliarden Euro bescheren könnten. Für die beteiligten Mediziner – in der aktuellen Testphase immerhin rund 1.400 Hausärzte – lohnt sich der zusätzliche Aufwand ebenfalls. Sie könnten eine Mehrvergütung in Höhe von 80 Euro pro Patient und Jahr erhalten, bei Änderung der Medikation könnte eine zusätzliche Aufwandsentschädigung von 40 Euro gezahlt werden.

Kritik an Projektausschluss der Apotheker

Im besten Fall verbessert AdAM die Transparenz und Kostenkontrolle bei Polymedikation unter Federführung der betreuenden Hausärzte. Kritik kommt von Seiten der Apotheker, die in diesem Projekt keine Rolle spielen. Die Projektverantwortlichen argumentieren dazu u.a., dass Apotheker nicht nachvollziehen könnten, welche Medikation ein Patient bereits in einem Krankenhaus erhalten hat. Zudem, so Rafii, können Patienten ihre Apotheke frei wählen und nicht jeder Patient nutzt immer dieselbe Apotheke. Dem allerdings widerspricht eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2015, die besagt, dass 88 Prozent der Bundesbürger eine Stammapotheke haben. Zudem besteht die Gefahr, dass Patienten ihrem Hausarzt gegenüber nicht alle eingenommenen Präparate angeben, was sich negativ auf die Therapie auswirken kann. Kein Wunder also, dass sich AdAM als Ergänzung zu den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums versteht, das einen Anspruch auf einen Medikationsplan für Patienten zum 1. Oktober eingeführt hat – unter Einbeziehung der Apotheker.

2017-10-13T10:33:32+00:00 16. Dezember 2016|Gesetzlich, Gesundheit, Versicherung|